Februar 2010


In militärisch-knappem Stil berichtete Kronprinz Rupprecht nach seiner Reise über seine Erfahrungen. Das klingt dann zum Beispiel so:

In China ein Mangel an Gemeinsinn und grenzenloser Schlendrian, in Japan eine glühende Vaterlandsliebe und eine tadellose Ordnung. China Spielball fremder Mächte, Japan unabhängig und kraftvoll. China ein Fossil, Japan voll pulsierenden Lebens.

Der Bayerisch-Wittelsbachische Kronprinz Rupprecht wäre 1921 Bayerischer König geworden, hätten Eisner und die Revolutionäre vom November 1918 das Königtum nicht abgeschafft.

Rupprecht war 33 Jahre alt, als er 1902 zusammen mit seiner jungen Frau eine 8monatige Weltreise machte, die ihn auch nach China führte.

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erzählt uns Peter Hessler in seinem eben erschienenen Buch „Country Driving“.

Kein anderes Volk habe soviel Vergnügen daran, schlecht Auto zu fahren:

Sie benützen kaum je den Blinker oder Scheibenwischer oder Sicherheitsgurt.
Sie fahren zu dicht auf und hupen wie die Verrückten.
Sie überholen oben an Steigungen, sie überholen in Kurven, sie überholen in Tunnels.
Wenn sie selbst überholt werden, versuchen sie sich sofort zu revanchieren und den Rivalen zu überholen, als ob es ein Wettkampf oder Spiel wäre.

Die Chinesische Regierung ist kaum eine Hilfe. Ampeln sind gelegentlich falsch geschaltet und zeigen Grün in alle Richtungen, eine Linksabbiegespur findet sich an der rechten Fahrbahn. Verkehrspolizei ist so selten, dass die Behörden „Polizeibeamte“ in Form von Kunststoff-Statuen an manchen Kreuzungen platzieren, als verkehrsberuhigende Vogelscheuchen. Der Fahrer kriegt eine Delle! – Er springt aus dem Auto und sorgt selber für eine sofortige Regelung.

Ganz China ist seit einiger Zeit in Bewegung – auf Beinen und eben auf Rädern. Man wird Zeuge der epischen Flucht vom ländlichen ins städtische China, vom Feld in die Fabrik.

„Fährt man durch China, findet man sich in der größten Völkerwanderung der menschlichen Geschichte wieder – fast ein Zehntel der Bevölkerung ist auf der Straße, um sich ein neues Leben fern von zuhause zu suchen.“

Es würde mich interessieren, wie hoch zurzeit die Zahl der Verkehrsopfer ist.

In München um 1971/72 (1,3 Millionen Einwohner) erreichte die Zahl der Verkehrstoten etwa 225 pro Jahr. Heute liegt sie in der  Größenordnung von jährlich etwa 20. Dabei hat sich die Zahl der Autos verdoppelt.

Ein Volk macht seine Erfahrungen – und lernt. Auch das vernünftige Autofahren.

Dass der chinesische Generalkonsul, Herr MA Jinsheng, ziemlich gut Deutsch spricht, hat mich angenehm überrascht.

Bei Amerikanern und Türken zum Beispiel scheint man keinen Wert darauf zu legen, nach Deutschland Botschafter und Generalkonsule zu schicken, die unsere Sprache beherrschen – oder die wenigstens mit der deutschen Kultur und Politik vertraut sind.

Sind nicht Botschafter und Generalkonsule auch Repräsentanten ihres Landes? Sollten sie nicht, wie etwa der deutsche Botschafter letztes Jahr in Kairo, als der Mord an der Ägypterin Marwa al-Sherbini dort hohe Wellen schlug, die Fähigkeit haben, Deutschland in der Öffentlichkeit wirkungsvoll zu vertreten – in und zwar in der Sprache des Landes? Der deutsche Botschafter konnte Arabisch zuhören und antworten und mitdiskutieren – das hat Eindruck gemacht.

Es ist eben auch eine Frage des Respekts. China bemüht sich darum. (Auch Herrn MasVorgänger konnte sich auf Deutsch verständigen.)

Herr Generalkonsul Ma spricht Deutsch nicht ganz ohne Fehler, aber es ist ein reiches und gut verständliches Deutsch, und der Redner konnte immer wieder mit sprachlichen Raffinessen überraschen.

Der Generalkonsul spricht aber auch Deutsch im übertragenen Sinne. (mehr …)

Es gibt ein nettes neues Sprachlern-Spielzeug aus China: den Übersetzungsstab: Hier probieren ihn junge Besucher am Tag der offenen Tür des Konfuzius-Instituts in München aus (20. und 21. Februar 2010).

Der Übersetzungsstab im Einsatz

An der Wand hängen einige speziell dafür gemachte Plakate mit chinesischen Schriftzeichen. Geh mit dem Stab drauf – und du hörst das Wort gesprochen von einer professionellen Stimme. Eine weitere kleine Bewegung, und du hörst dasselbe Wort auf Deutsch.

Emilia hat eben angefangen, für das Konfuzius-Institut in München zu arbeiten – sie hat einen deutschen Vater und eine chinesische Mutter und war kürzlich ein Jahr in China, um die Sprache ihrer Mutter zu lernen.

Sie nimmt neugierig den Stab in die Hand, probiert ihn aus, hört ein chinesisches Wort, dann die deutsche Übersetzung dazu — und stutzt und glaubt sich zu verhören. Ihre eigene Stimme spricht das deutsche Wort! Ist der Übersetzungsstab ein Zauberstab?

Da fällt ihr ein: Hat sie nicht an der Uni in Peking mal in einem Aufnahmestudio ins Mikro deutsche Vokabeln gelesen?  — Also DAFÜR war das!

Ständig im Einsatz: der Übersetzungsstab

Ein volles Haus hatte die Confucius Class Munich an ihren beiden Tagen der offenen Tür, am 20. und 21. Februar.

Frau Lai zeigt, wie Chinesische Zeichen funktionieren

Frau Lai war am Sonntagnachmittag – nach einer Vielzahl von Einsätzen – ganz schön geschafft. Ihre Aufgabe war es, den vielen Neugierigen zu zeigen, wie das mit den Chinesische Zeichen geht – eine halbe Stunde Einführung in die optische Seite des Chinesischen. Eine Gruppe löste die nächste ab.

Sechs beim Institut Beschäftigte – alle weiblich – hatten an beiden Tagen, aber besonders am Sonntag alle Hände voll zu tun. Übrigens waren auch die Besucher überwiegend weiblich. Gibt es dafür eine Erklärung?

Chinesisch Basteln

Crouching Dragon, Weakened Eagle (lauernder Drache, geschwächter Adler) überschreibt Martin Jacques seinen New-York-Times-Kommentar zur jüngsten Entwicklung des Verhältnisses zwischen China und den USA.

In letzter Zeit sind ein paar Funken geflogen:

  • Chinas mangelnde Bereitschaft, bei der Klima-Konferenz mit den USA zusammenzuspielen,
  • Chinas Protest gegen die bedeutenden Waffenlieferungen an Taiwan,
  • Chinas Weigerung, durch scharfe Sanktionen Druck auf den Iran auszuüben, um dessen ziviles Atomernergie-Programm zu stoppen,
  • Obama empfängt den Dalai Lama – China bestellt den US-Botschafter ein,
  • erneut laute Kritik der USA daran, dass China nicht endlich seine Währung aufwertet.

Verschlechtert sich das Verhältnis zwischen den beiden Rivalen der Zukunft?

Vorerst kaum, meint Martin Jacques, aber mittelfristig wohl schon. (mehr …)

Das Jahr des Tigers hat begonnen. Was sagen die Chinesischen Tiger dazu?

Der Südchinesische Tiger ist „ursprünglicher“ und etwas kleiner als der Sibirische oder der Bengalische. Er war einmal in ganz Südchina stark verbreitet. 1949 soll es schon nur noch ca. 4 000 gegeben haben. Zu Zeiten von Maos Großem Sprung gehörte er zu den „Plagen“, zum „Ungeziefer“, war zur Ausrottung freigegeben. 1977 wurde die Jagd auf ihn dann doch verboten, aber wohl zu spät. Einige Jahre später zählte man wieder und fand gerade noch 200 Exemplare. Heute nimmt man offiziell an, die Zahl sei auf 20 bis 30 Exemplare in freier Wildbahn gesunken – aber auch von denen hat man schon seit den 80er Jahren keines mehr gesichtet.

Vielleicht gibt es also schon keine frei lebenden Südchinesischen Tiger mehr.

Etwa 80 leben noch in Zoos. Gefangenschaft und Inzucht erlauben es nicht, dass sie sich vermehren. Ihr Ende ist vorprogrammiert.  

Und es gibt eine Handvoll in – Südafrika: Li Quan hat die Organisation Save China’s Tigers gegründet, fünf Südchinesische Tiger aus chinesischen Zoos erhalten und in einem 300 qkm großen Reservat in Südafrika für sie ein Auswilderungsprogramm gestartet. Diese Tiger lernen wieder das Jagen und sollen mit ihrem Nachwuchs später in eigens dafür vorgesehenen Gebieten in Südchina wild leben dürfen. (Hier ein tigerstarkes Interview mit Li Quan, dazu viele Fotos!)

Es muss sich erst noch zeigen, ob das Projekt Erfolg haben wird. Und ob es die in China ausgesetzten Tiger schützen kann vor dem gierigen Bedarf an Tiger-Medizin und der Angst der Menschen, die mit diesen Raubkatzen zusammen leben müssen.

Das erinnert uns hier in Deutschland an die umstrittene Jagd auf aus dem Wildgehege ausgebrochene Wölfe im Bayerischen Wald und an das traurige Schicksal eines jungen eingewanderten Bären namens Bruno …

Die Wölfe, Bären und Tiger schweigen – aber ich meine zu vernehmen, wie in ihrem Schweigen ein Fluch liegt.

Ergänzung:

Der letzte Indochinesische Tiger in China ist letztes Jahr von Dorfbewohnern getötet und verspeist worden. Die wenigen, die noch in Vietnam leben, werden gejagt, um Chinas Apotheken mit Tigerknochen und anderen Medizinen zu versorgen.

Es gibt in China außerdem eine große Tigerfarm, in der an die 1 500 Tiger verschiedener Arten gehegt, geschlachtet und zu Medizin verarbeitet werden.

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