China in München:

Ingrid Jansen hat aus ihrer Kollektion von chinesischen Scherenschnitten wieder eine Ausstellung im Geranienhaus des Nymphenburger Parks gemacht. Besuchen können Sie die Ausstellung nur noch virtuell:

Treten Sie ein!

Eine kleine, feine Ausstellung. Herr Jansen erklärt Ihnen die Scherenschnitte.

Nur mal ein Beispiel:

Landleben

Beim Fotografieren etwas verspiegelt …

Unten links: der Fluss, der Huang Ho, als Drache. Darüber Gans oder Ente. Daneben eine Pfingstrose. Rechts unten ein Fisch, ein Vogel, ein Schaf.

Links oben drei Bauern. Der erste ein Anführer?Der Mittlere trägt Pfeife und Tabaksbeutel.

Zentral das Rind, die schönen Augen als Blüten, in den Nüstern die Vögel der Lüfte.

Rechts ein weiterer Bauer mit Ackergerät.

Soviel habe ich mir von Frau Jansens Erläuterung gemerkt. Es steckt noch viel viel mehr drin, Sprichwörter vielleicht, auch mancherlei religiöse bzw. magische Zeichen, dazu manche Anspielung auf Geschehnisse im Dorf, die nur die Dorfbewohner erkennen könnten.

Betrachten wir, WIE das alles dargestellt ist: Zauberhaft stilisiert, so dass durch den Alltagsgegenstand die Geheimnisse des Lebens spürbar werden. Es ist kein plattes Abbilden, kein „röhrender Hirsch vor Alpenkulisse“. Die Künstlerin blickt durch die Oberfläche hindurch, und der vertraute Alltag beginnt seine Wahrheit zu zeigen.

Es ist die Kunst einer ländlichen Gesellschaft, und die Frau, die dieses großartige Bild mit der Haushaltsschere geschnitten hat, tut dies ohne Kenntnis der europäischen oder sonst einer Kunstgeschichte, ohne Anschluss an die chinesische Hochkultur.

Aber stellen wir uns mal vor, wir könnten unseren eigenen Alltag so konzentriert und ausdrucksstark in ein Bild fassen … Es scheint unmöglich zu sein. Weil unsere Umwelt zu komplex geworden ist? Weil wir unsere Umwelt nicht mehr hinreichend begreifen und geistig verdauen können?

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