Mai 2012


„Nordkorea“ ist ein beliebtes Stichwort in Medien und Presse. Fast täglich begegnen wir dem  in Zeitung und Rundfunk. Jedoch bleibt die Informationsvielfalt meist auf die Themen  „Atomwaffen“ und die „Kim-Familie“ beschränkt. Daher ist es kein Wunder, dass Nordkorea für viele Menschen auch trotz seiner großen Medienpräsenz immer noch ein Mysterium ist. Genau aus diesem Grund waren wir überaus erfreut, Herrn Dr. Peter Gauweiler als Referenten für unseren 67. Jour Fixe begrüßen zu dürfen und auf diese Weise unseren Asien-Interessierten einen tiefen und authentischen Einblick in Nordkorea bieten zu können. Herr Dr. Gauweiler hat sich beruflich lange Zeit mit Nordkorea beschäftigt und im Laufe der Jahre ein großes Maß an Expertenwissen erworben.

Nach einer einleitenden musikalischen Aufführung von Frau Teresa Naredi-Rainer auf ihrem Akkordeon begann Herr Dr. Gauweiler seinen Vortrag mit einer kurzen Geschichte der deutschen auswärtigen Ämter. Er selbst arbeitet seit 2006 als Vorsitzender des Unterausschusses für auswärtige Kultur- und Bildungspolitik im Deutschen Bundestag.

Im Verlauf seines Vortrags schilderte Herr Dr. Gauweiler seine Eindrücke aus Pjöngjang,  welche er während seiner Tätigkeit als Kundschafter des Deutschen Bundestags gesammelt hatte. Dabei maß er vor allem der kulturellen Perspektive auf Nordkorea große Bedeutung bei:  Angefangen bei der Besichtigung der Paesong-Kirche über das Goethe-Institut in Pjöngjang bis hin zur germanischen Abteilung der Kim-Il-sung-Universität. Und auch wenn das Wort „Atomwaffen“ während des Vortrages nicht unerwähnt blieb, so doch weit mehr am Rande als es in unseren westlichen Medien der Fall ist.

Laut Herrn Dr. Gauweiler stellt der gegenseitige Kulturaustausch eine exzellente Methode für die Kommunikation zwischen Deutschland und Nordkorea dar. Man erinnere sich noch an den Komponisten Yun I-sang, der für die Eröffnung der Olympischen Spiele 1972 in München die Oper „Sim Tjong“ komponierte und somit auf musikalischem Wege ein Symbol koreanisch-deutscher Zusammenarbeit hinterließ, das die Jahre überdauerte. Folgt vielleicht der chinesischen Ping-Pong-Diplomatie eine nordkoreanische Musik-Diplomatie?

Herr Dr. Gauweiler hat in Pjöngjang auch Herrn Karl Fall aus Ingolstadt  besucht, der ein EU-Agrar-Hilfsprojektes in Nordkorea leitete und dort Gewächshäuser errichtete. Dr. Gauweiler sprach sich auch für eine Trennung zwischen politischer Boykottierung und Nothilfe aus.

Zuletzt schloss Herr Dr. Gauweiler seinen Vortrag mit dem Wunsch, dass sich ein jeder von dem Irrtum befreien möge,  auf ewig Opfer seiner eigenen Propaganda bleiben zu müssen. Das gelte für Nordkorea wie auch für den Westen in gleichem Maße. Und mit einem derart freien Weltbild als Ausgangspunkt wird nur allzu gut deutlich, dass Pjöngjang auf jeden Fall eine Reise wert ist.

Dr. Peter Gauweiler wurde 1949 in München geboren. Der promovierte Jurist ist seit 1968 Mitglied der CSU. 1986-1990 war er bayerischer Innenstaatssekretär, danach bis 1994 bayerischer Staatsminister für Landesentwicklung und Umweltfragen. Seit 2002 ist er Mitglied des Bundestags und dort seit 2006 Vorsitzender des Unterausschusses für auswärtige Kultur- und Bildungspolitik.

Musikalisch auf Reise mit Konfuzius München –

Gastauftritt von Deng Xiaomei und Internationalem Ensemble bei der Langen Nacht der Musik 2012

„Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden.“, sagte bereits der deutsche Schriftsteller Berthold Auerbach. Und bei der Langen Nacht der Musik am Abend des 28. April 2012 hat München auf alle Fälle wieder einmal bewiesen, dass dieses Zitat immer noch seine volle Gültigkeit besitzt.

Im gesamten Stadtgebiet lockten insgesamt 123 Spielstätten mit einem internationalen musikalischen Programm aus den verschiedensten Musikgenres. Angefangen bei Blues über elektronische Tanzmusik bis hin zu Indie und lateinamerikanischen Rhythmen war alles geboten, was das Herz des Musikfreundes begehrt.

Wir, das Team von Konfuzius München, haben uns gefreut, dieses Jahr bereits zum zweiten Mal mit unserem Programm zur musikalischen Vielfalt des Events beitragen zu können. Denn vielfältig waren die Klangwelten, die es in unserer Spielstätte, dem Café Indigo in der Karlstraße, zu hören gab, allemal.

Unser Gast und zugleich Künstlerin für den Abend war die aus Peking stammende Erhu-Virtuosin Deng Xiaomei, die gemeinsam mit ihrem internationalen Ensemble traditionelle chinesische Musik mit europäischer Klassik, Jazz, Blues und lateinamerikanischen Rhythmen mischt. (Die Erhu ist ein klassisches chinesisches Musikinstrument.)

Für wen diese Mischung auf den ersten Blick etwas ausgefallen klingt, dem sei wärmstens ans Herz gelegt, sich auf einem der Tour-Konzerte von Frau Deng mit den eigenen Ohren von dem innovativen Potential des Musik-Projekts zu überzeugen. Die in Mannheim lebende Künstlerin und ihr Ensemble haben nicht nur ein interessantes, abwechslungsreiches und vor allem inspirierendes Programm auf den Weg gebracht, sondern bieten gleichzeitig eine akustische Reise durch die internationale Vielfalt unserer heutigen Musikwelt an.

Sicherlich war es auch genau diese Reiselust, die in der ersten lauen Frühsommernacht zahlreiche Besucher zu einem Abstecher ins Café Indigo animiert hat. In den kurzen Programmpausen hatten die Zuhörer zudem genügend Möglichkeiten zum persönlichen Gespräch mit den Künstlern.

Natürlich blieb bei so viel Kontaktfreude seitens der Künstler auch Raum für Fragen zu Ursprung, Idee und Umsetzung dieses atemberaubenden musikalischen Zusammenspiels.

Für uns als Träger einer der vielen Musikveranstaltungen des Abends war es auf jeden Fall eine riesengroße Freude, mitzuerleben, wie Deng Xiaomei und ihr Ensemble Musikstile und Rhythmen aus den verschiedensten Ecken der Erde gemeinsam „zu Wort kommen“ ließen. Die Künstler haben mit ihrem Programm eindrucksvoll bewiesen, dass das musikalische Zusammenspiel verschiedener Kulturen durch und durch harmonische Sinfonien hervorbringt.

Übersetzer hat trotz dieser sprachlichen und kulturellen Vielfalt aber niemand gebraucht, denn dass Musik vor allem eine Riesenmenge Spaß macht, das kann wirklich jedermann leicht verstehen.

Was ist das Wesen der chinesischen Kultur?

Vortrag von Herrn Pro. Xu Jialu

Was ist das Wesen der chinesischen Kultur? Es ist unumstritten eine schwierige aber interessante Frage. Auf Einladung des Chinesischen Sprach- und Kulturinstitutes München (Confucius Class München) und der Ludwig-Maximilians-Universität München hat Herr Prof. XU Jialu am 13. April 2012 nach einer Einführung durch Herrn Prof. Dr. Ulrich Pohl, den LMU-Vizepräsidenten für den Bereich Internationales, gehalten.

Prof. XU ist überzeugt, dass das Wesen einer Kultur nicht wesentlichen Änderungen auch im Laufe einer Zeitspanne unterliege. Das Wesen der chinesischen Kultur finde man beim Glauben, und zwar beim Glauben an „De“.

„De“ („德“), ein chinesisches Zeichen, früher oft als „Tugend“, „Anstand“, „Moral“ oder „Ethik“ u.a. ins Deutsche übersetzt, wird heute von Sinologen einfacherweise – orientierend an der chinesischen Aussprache des Wortes – als „De“ übersetzt. Dabei enthält das chinesische „De“ noch mehr Bedeutungen, wie z.B. „Xiao“ („孝“) die Pietät gegenüber der Familie, Gesellschaft, Natur und der ganzen Menschheit.

Dem Vortrag folgte eine von Prof. Dr. Hans van Ess, einem Sinologe an der LMU, geleitete Fragerunde. Es gab viele Fragen aus dem Publikum.

„Als internationaler Student sollte man dankbar sein für die Studienmöglichkeit in Deutschland.“

Zum Schluss wies Prof. XU darauf hin, dass man danach streben solle, etwas Gutes für die ganze Menschheit zu tun, unabhängig davon, ob man nach dem Abschluss in Deutschland bleibt oder zurück ins Heimatland kehrt. Und als internationaler Student solle man dankbar für die Studienmöglichkeit in Deutschland sein.

Herr Prof. XU Jialu ist ein renommierter Sprach- und Kulturwissenschaftler in China. Er ist Professor an der Beijing Normal University und Vorsitzender der international society for chinese language teaching. Der Vortrag fand im Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München statt.

Mit der Globalisierung findet das China-Motiv immer häufiger einen Platz in deutschen Medien, und das nicht nur beispielsweise im Handelsblatt im Rahmen wirtschaftlicher Berichterstattungen. „Tibet“, „Ai Weiwei“, „die Olympischen Spiele 2008“… Es gibt kaum eine deutsche Zeitung, die nicht über diese Themen berichtet hat. Laut Neil Postman, einem US-amerikanischen Medienwissenschaftler, spielt das von den Medien vermittelte Bild die Hauptrolle für die Wahrnehmung gegenüber unserer Welt. In wieweit diese Behauptung in der heutigen Zeit noch gültig ist, ist zwar diskussionsbedürftig, aber kaum jemand wird die Beeinflussung von uns Menschen durch die Medien verleugnen können. Daher ist die mediale Darstellung von großem Interesse.

Herr Dr. Hansjörg Bisle-Müller ist wissenschaftlicher Angestellter am Sprachenzentrum der Universität Augsburg und Präsident der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft Augsburg e.V. Er hat sich mit Berichterstattungen China-bezüglicher Themen durch die deutsche Presse beschäftigt. Am 13. April 2012 hat er auf Einladung der Stiftung ex oriente  in einem stark besuchten Vortrag die Ergebnisse seiner Analyse vorgestellt. In seiner eineinhalbstündigen Präsentation berichtete er anhand von Beispielartikeln aus der Augsburger Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung.

Die Zeitungsartikel wurden sprachwissenschaftlich auf Wortschatz, Rahmenwissen, Argumentationsmuster, Quellenzitierung und andere weitere Kriterien untersucht. Bemerkenswert waren z.B. die einseitige Auswahl der Quellen/Zeugen, die unklare Zitierweise, der manipulative Einsatz von Stigmawörtern, Fahnenwörtern und Neologismen sowie die Zurückhaltung von Informationen.

„Die untersuchten Texte fördern das selbstständige Denken der Lesenden nicht, sondern erschweren es. Teilweise wird richtig manipuliert, teilweise bekommen die Lesenden offen eine Meinung aufgedrängt“, meint Herr Dr. Bisle-Müller.

Dem Vortrag schloss sich einer von Herrn Pöllath geleitete Fragerunde an.BildBildBild