„Nordkorea“ ist ein beliebtes Stichwort in Medien und Presse. Fast täglich begegnen wir dem  in Zeitung und Rundfunk. Jedoch bleibt die Informationsvielfalt meist auf die Themen  „Atomwaffen“ und die „Kim-Familie“ beschränkt. Daher ist es kein Wunder, dass Nordkorea für viele Menschen auch trotz seiner großen Medienpräsenz immer noch ein Mysterium ist. Genau aus diesem Grund waren wir überaus erfreut, Herrn Dr. Peter Gauweiler als Referenten für unseren 67. Jour Fixe begrüßen zu dürfen und auf diese Weise unseren Asien-Interessierten einen tiefen und authentischen Einblick in Nordkorea bieten zu können. Herr Dr. Gauweiler hat sich beruflich lange Zeit mit Nordkorea beschäftigt und im Laufe der Jahre ein großes Maß an Expertenwissen erworben.

Nach einer einleitenden musikalischen Aufführung von Frau Teresa Naredi-Rainer auf ihrem Akkordeon begann Herr Dr. Gauweiler seinen Vortrag mit einer kurzen Geschichte der deutschen auswärtigen Ämter. Er selbst arbeitet seit 2006 als Vorsitzender des Unterausschusses für auswärtige Kultur- und Bildungspolitik im Deutschen Bundestag.

Im Verlauf seines Vortrags schilderte Herr Dr. Gauweiler seine Eindrücke aus Pjöngjang,  welche er während seiner Tätigkeit als Kundschafter des Deutschen Bundestags gesammelt hatte. Dabei maß er vor allem der kulturellen Perspektive auf Nordkorea große Bedeutung bei:  Angefangen bei der Besichtigung der Paesong-Kirche über das Goethe-Institut in Pjöngjang bis hin zur germanischen Abteilung der Kim-Il-sung-Universität. Und auch wenn das Wort „Atomwaffen“ während des Vortrages nicht unerwähnt blieb, so doch weit mehr am Rande als es in unseren westlichen Medien der Fall ist.

Laut Herrn Dr. Gauweiler stellt der gegenseitige Kulturaustausch eine exzellente Methode für die Kommunikation zwischen Deutschland und Nordkorea dar. Man erinnere sich noch an den Komponisten Yun I-sang, der für die Eröffnung der Olympischen Spiele 1972 in München die Oper „Sim Tjong“ komponierte und somit auf musikalischem Wege ein Symbol koreanisch-deutscher Zusammenarbeit hinterließ, das die Jahre überdauerte. Folgt vielleicht der chinesischen Ping-Pong-Diplomatie eine nordkoreanische Musik-Diplomatie?

Herr Dr. Gauweiler hat in Pjöngjang auch Herrn Karl Fall aus Ingolstadt  besucht, der ein EU-Agrar-Hilfsprojektes in Nordkorea leitete und dort Gewächshäuser errichtete. Dr. Gauweiler sprach sich auch für eine Trennung zwischen politischer Boykottierung und Nothilfe aus.

Zuletzt schloss Herr Dr. Gauweiler seinen Vortrag mit dem Wunsch, dass sich ein jeder von dem Irrtum befreien möge,  auf ewig Opfer seiner eigenen Propaganda bleiben zu müssen. Das gelte für Nordkorea wie auch für den Westen in gleichem Maße. Und mit einem derart freien Weltbild als Ausgangspunkt wird nur allzu gut deutlich, dass Pjöngjang auf jeden Fall eine Reise wert ist.

Dr. Peter Gauweiler wurde 1949 in München geboren. Der promovierte Jurist ist seit 1968 Mitglied der CSU. 1986-1990 war er bayerischer Innenstaatssekretär, danach bis 1994 bayerischer Staatsminister für Landesentwicklung und Umweltfragen. Seit 2002 ist er Mitglied des Bundestags und dort seit 2006 Vorsitzender des Unterausschusses für auswärtige Kultur- und Bildungspolitik.

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