An unserem ersten Jour Fix im Jahr 2013 hielt Dr. Paul Gerhardt einen Vortrag über die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und China.

Interkulturalität bezeichnet ein auf Verständigung gerichtetes Verhalten. Dieses Verhalten und ein enger Kulturaustausch werden gerade heute in einer globalisierten Welt immer wichtiger. Die Anfänge der deutsch-chinesischen kulturellen Verbindungen reichen jedoch weit in die Geschichte zurück und haben ihren Ursprung u.a. in den Errungenschaften des deutschen Arztes Dr. Erich Paulun. Dieser gründete 1900 ein Krankenhaus mit dem Namen Tung-Chee (heute Tongji-Hospital) in Shanghai, in dem sich die arme chinesische Bevölkerung kostenlos behandelt lassen konnte. Diese deutsch-chinesische Kooperation entwickelte sich bald weiter und führe 1907 zur Gründung der deutschen Medizinschule für Chinesen, die 1916 bereits 204 Medizinstudenten zählte. 1912 schloss sich der Medizinschule eine deutschen Ingenieurschule an. Unterstützt wurde diese von zahlreichen deutschen Firmen, die am chinesischen Markt interessiert waren, darunter Krupp, Thyssen und Siemens. Eine Sprachschule bereitete die chinesischen Schüler auf das deutschsprachige Fachstudium vor.

Die Konflikte des ersten Weltkrieges führten zur vorübergehenden Schließung und schließlich zum Übergang der Hochschule in chinesischen Besitz. 1924 wurde die Schule schließlich als  chinesische Tongji-Universität wiedereröffnet. Auch während des zweiten Weltkrieges erlitt das Projekt zahlreiche Niederschläge, so wurden beispielsweise zahlreiche Gebäude zerstört. Trotzdem  wurde der Kulturaustausch auf dem Gebiet der Medizin nicht aufgegeben und 1984 kam es zur Gründung der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft für Medizin. Das Ziel dieser Gesellschaft ist es den Austausch von Wissenschaftlern, Ärzten und Studenten, sowie den Austausch von Erfahrungen im Auf- und Ausbau der medizinischen Versorgung der Bevölkerung, zu fördern.

Dieses herausragende Beispiel für eine gelungene deutsch-chinesische Kooperation zeigt uns was möglich ist. Denn trotz zahlreicher kultureller Verbindungen, gibt es noch viele Schwachstellen. So bedarf beispielswese der deutsch-chinesische Studentenaustausch größerer Unterstützung und Aufmerksamkeit. Vor allem der Leitungsdruck und wenig Kontaktmöglichkeiten zu Einheimischen schmälern den interkulturellen Austausch und die gegenseitige Verständigung während des Auslandsaufenthalts.

Ziel von Herrn Dr. Paul Gerhardt ist es auch deshalb, zu Ehren von Dr. Erich Paulun, eine Gesellschaft in seinem Namen zu gründen, die das Verständnis füreinander und das Lernen voneinander fördern soll.

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