Anlässlich des 75. Jour Fixe, lud das Konfuzius-Institut München Prof. Dr. Martin Lehnert, tätig im Japan-Zentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München, ein. Er sprach über das Leben eines beeindruckenden Mannes und seinen Leitfaden zu einem glücklichen Leben – Liaofan Yuan („Der von der Mittelmäßigkeit gelassen hat“)

Diesen Namen nahm Yuan während seines Studiums zum Beamten an, als er einen weisen Zen-Mönch begegnete, der ihn lehrte sein Schicksal zu ändern. Daraufhin schlug er eine erfolgreiche Laufbahn am Hofe des Königs ein, die letztlich jedoch scheiterte und mit einer unehrenhaften Entlassung endete. Fortan lebte er zurückgezogen und verfasste eines der bekanntesten Moraltraktate der späten Ming-Zeit. In mehreren Schriften, die alle an seinen Sohn gerichtet sind, schrieb er einen Leitfaden, dessen Befolgung zu einem guten und glücklichen Leben führen soll. Nach seinem Tod veröffentlichte sein Sohn die Schriften unter dem Titel “Vier Instruktionen des Liaofan” (Liaofan si xun), die in China bald große Bekanntheit erlangten. Seine Texte thematisieren hierbei bereits die später u.a. von Max Weber ausführlich diskutierte Frage nach der teleologischen oder deontologischen Ethik. Während die Zielethik lediglich die Folgen und Auswirkungen des Handelns bewertet, fokussiert die Verantwortungsethik auf die moralischen Intentionen einer Handlung. Liaofan kommt zu dem Ergebnis, dass es keine normative Trennung zwischen gutem und schlechtem Handeln gibt. Das richtige Handeln kann nur situativ und unter Bewusstmachung aller Voraussetzungen und Folgen einer Tat bestimmt werden. Um jedoch ein wertvolles  Mitglied der Gesellschaft zu sein, muss jeder einzelne seine Pflichten übernehmen, seine Funktionen erfüllen und seine Taten am Wohl der Gemeinde ausrichten. Nur eine harmonische Gesellschaft, kann schließlich zu wahrem Glück führen. Doch nur wer von Herzen Gutes tut leistet einen Beitrag zu diesem Glück.

Der Vortrag führte zu regen Diskussionen unter den Zuhörern über Fragen nach dem moralisch Richtigen und dem Weg zum Glücklichsein. Aber auch der Bezug zum Buddhismus oder Konfuzianismus wurde diskutiert. Spannende Wortwechsel und interessante Ideen wurden ausgetauscht.

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