Juli 2013


Die Themen des Jour Fixe reichen von Kunst und Kultur über Geschichte bis zu Wirtschaft und Politik. Häufig haben die Vorträge Chinabezug. Doch der Jour Fixe bietet auch eine Plattform einen Blick in andere Länder zu werfen und soziale Projekte vorzustellen. Ein Beispiel dafür ist der 80. Jour Fixe. Unter dem Titel

10 Jahre vor Ort in Nordkorea

berichtete Herr Karl Fall von seinen Erfahrungen als Auslandsmitarbeiter der Deutschen Hungerhilfe. Bereits zehn Jahre arbeitet Herr Fall vor Ort in Pjöngyang. Als gelernter Gartenbauingenieur kümmert er sich um die Ernährungslage der nordkoreanischen Bevölkerung.  In dieser Tätigkeit wird er von UP-Micro Loans unterstützt.

In seinem Vortrag stellte er in einem allgemeinen Teil Land, Leben und Gesellschaft Nordkoreas vor. Dabei entkräftet er einige weitverbreitete Vorurteile, wie über den ausgeprägten Militarismus der einfachen Leute. Im zweiten Teil stellte er vergangene Projekte der Hungerhilfe vor, um im dritten Teil auf die gegenwärtigen Projekte und Ziele überzuleiten.

Besonders durch sein detailliertes Sachwissen und  einprägsame Praxisbeispiele konnte Herr Fall schnell die ungeteilte Aufmerksamkeit seine Zuhörer gewinnen. Ein Hauptaugenmerk richtet er dabei durchweg auf:

Hilfe zur Selbsthilfe, statt Abhängigkeit von Zuwendungen.

Es zeigt sich, nicht nur die Intention von Hilfsprogrammen bedacht werden muss, sondern auch ihre Umsetzung.

Ein Beispiel dafür ist die von Herrn Fall importierte Saataufbereitungsfabrik. Diese erziele einen Ertrag von zusätzlichen 750.000t Mais pro Jahr. Das ist die selbe Menge, die das Spendenprogramm der Vereinigten Staaten von Amerika jährlich versende. Vor Ort und zu einem Bruchteil der Kosten.

Hauptzielgruppe seiner Arbeit sind Alte, Kinder und schwangere Frauen. Damit die Hilfe sie erreicht, bindet er sie wo möglich direkt in die Arbeit ein. Abgeschlossene und laufende Projekte umfassen:

  • Schulspeisungen mit energiereichen Lebensmitteln
  • Saatgutanreicherung zur Verbesserung der Ernte
  • den Bau von Gewächshäusern zur Selbstversorgung von Tuberkulose-Krankenhäusern in Zusammenarbeit mit der Caritas

An den Vortrag schloss sich eine angeregte Diskussion an. Spät am Abend verabschiedete sich Herr Fall von den zahlreichen Gästen. Keine drei Tage später fliegt er zurück nach Pjöngjang, Nordkorea.

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Karl Fall, Gartenbauingenieur aus Ingolstadt, ist Auslandsmitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe. Nach Stationen in Thailand, Tonga, Laos, Vietnam, und Myanmar ist er nun seit 10 Jahren in Nordkorea tätig. Er und seine Kollegen versuchen dort durch landwirtschaftliche Projekte die Ernährungslage langfristig zu verbessern.

von Adam Lange

Am Dienstag, den 09.07.13, fand am Korbinian-Aigner Gymnasium in Erding ein kleiner, vom Konfuzius Institut München durchgeführter China-Schnuppertag statt.  Laut der Schulleitung wird ab nächstem Schuljahr Chinesisch höchstwahrscheinlich ein Wahlfach sein, weshalb den Schülern ein kleiner Einblick in die chinesische Welt gewährt werden sollte.

Die Veranstaltung begann um ca. 13:30 Uhr. Teilnehmer waren Schüler aus der Unter- und Mittelstufe des Gymnasiums. Zu besuchen waren u. a. zwei Chinesisch-Sprachkurse, die jeweils von Herrn Dr. Lingqi Meng und Frau Ying Zhang geleitet wurden. Des Weiteren gab  Frau Mei Zhou, eine professionelle chinesische Malerin, den Schülern einen kleinen Crashkurs in Tuschemalerei und Kalligraphie. Die interessierten Schüler lernten auch die  chinesische Kunst des Scherenschnitts kennen, indem ihnen viele verschiedene Motive zum Ausschneiden zur Verfügung gestellt wurden.Im Foyer-Saal wurde ein Infostand des Konfuzius-Instituts München aufgestellt. Veranstaltungsrückblick, Kurs- und Workshop-Informationen wurden allen Teilnehmern bekannt gebracht. Die Spielecke und der auf der Leinwand abgespielte Filmbericht des Schüler-Sommercamps 2012 in China rundeten den Thementag bereichernd ab.

Das Projekt hatte erfreulicherweise unglaublich viele Menschen angezogen. Einen großen Andrang fanden die beiden Sprachkurse, in welchen die Schüler schon mal die ersten  Schriftzeichen „malen“ und einfache Sätze sprechen konnten, wovon sie sehr begeistert waren. Im Tuschekurs sahen alle Frau Zhou sehr aufmerksam und interessiert zu, wie sie Bambus und Schriftzeichen auf das Papier zauberte. Anschließend versuchten sie sich voller Freude selbst an dieser Art von Malerei. Vor allem die Jüngeren hatten Spaß daran, kleine Kunstwerke aus Papier zu schneiden. Spannend fanden es die Schüler auch, ihre deutschen Namen von Aibin Zhang, einer Schülerin des Gymnasiums, ins Chinesische übersetzen zu lassen. Die „chinesischen“ Namen wurden dann von Frau Zhou künstlerisch auf einer Karte  geschrieben.

Der kleine China-Tag endete um 16 Uhr und war, wie es den Reaktionen der teilnehmenden Schüler zu entnehmen war, ein voller Erfolg.

von Hannah Yingying von Minden

Peking-Oper auf dem Bayerischen Land? Goaßlschnalzen und Jingju(= Hauptstadtgesang)? Wo gibt es denn so etwas? Am vergangenen Wochenende in Moosach bei Grafing! In Zusammenarbeit mit dem Metatheater Moosach präsentierte das Konfuzius-Institut München eine Produktion des Peking Opern Ensemble Nanjing. Bei schönem Wetter versammelten sich mehr als 300 Interessierte auf dem Dorfplatz der Gemeinde Moosach und wohnten sehr einer gelungenen Aufführung bei. Dazu mehr:

Vor 2 Monaten erreichte die Anfrage der Theatergruppe aus Nanjing das Konfuzius-Institut München, ob es möglich sei, ein Gastspiel in München abzuhalten. Schnell stellte sich die Frage: Ja! Nur wo?

An dieser Stelle machte Herr Axel Tangerding den Vorschlag das Theater in die Gemeinde Moosach bei Grafing einzuladen. Damit bot sich die einmalige Chance Pekingoper dem Publikum abseits der üblichen Veranstaltungsorte nahe zu bringen und damit bayerische und chinesische Völkerverständigung aufs trefflichste zu fördern.

Als künstlerischer Leiter des Metatheaters Moosach kümmert Herr Tangerding sich bereits seit Jahren mit um das kulturelle Angebot der künstlerisch sehr aktiven Gemeinde.

Das Konfuzius- Institut München ermöglichte dann dieses außergewöhnliche Ereignis durch die Koordination des Gastspiels, das Einladen der Gäste und finanzielle Unterstützung.

Am Sonntag, den 30. 6,  wurde die chinesische Theatertruppe und die bereits aus München angekommen Gäste aufs herzlichste vom Ortsvorstand, Herrn Tangerding und der Gemeinde Moosach begrüßt. Die chinesischen Gäste wurden eingeladen bei einem Stadtrundgang Kirche, Künstler und Panorama Moosachs kennenzulernen. Das fand bei allen großen Anklang.

Nach einer Ansprache durch Herrn Bügermeister Gillhuber würdigten Herr Cai, Direktor des Nanjing Theater,_und stellv. Generalkonsul, Herr Wang, der eigens aus München angereist war, den Tag. Anschließende verewigten sich alle im Stadtbuch der Gemeinde.

Mit Blasmusik, Goaßlschnoalzen und Brotzeit auf bayerischer Seite und Maskenschminken, Erklärungen und Schaueinlagen auf chinesischer Seite entwickelte sich das Fest immer mehr zur Feier mit  heiterem Volksfestcharakter. Groß und klein hatten viel Spaß und es gab viel voneinander zu lernen.

Die Zeit bis zum Abend verging schnell und bald hatten sich mehr als 300 Gäste auch dem Dorfplatz eingefunden. Sie wurden durch Herrn Tangerding in die Systematik der Pekingoper eingeführt. Die Spannung war groß als nach dem 19 Uhr 30 Läuten die Vorstellung begann. Es wurden 

1.            Tanz des Drachen und des Phoenix

2.            贵妃醉酒-Die betrunkene Konkubine

3.            天女散花Blumenregen

4.            穆桂英大洪州 General Mu Guiying in der Schlacht um Hongzhou

gegeben. Besonders herausragend waren neben dem Gesang und den prächtigen Gewändern die artistischen Einlagen der Schauspieler. Unter vollem Körpereinsatz brachten sie das Publikum zum Staunen.

Alle Stücke wurden mit begeistertem Applaus in Empfang genommen. Nach Ende der Veranstaltung gegen 22 Uhr waren sich alle Beteiligten sicher: Gerne wieder!

Das Konfuzius-Institut München freut sich über eine gelungene Veranstaltung und dankt herzlich der Gemeinde Moosach für Gastfreundschaft, dem Metatheater und Herrn Tangerding für die hervorragende Organisation,  und vor allem: allen Gästen für ihre Aufgeschlossenheit, Freude und großzügigen Spenden.

von Adam Lange

Auf Einladung des Konfuzius-Instituts München und der Stadtregierung Dietfurt kam das Peking Opern Ensemble aus Nanjing nach Dietfurt und gab dort am 29.06. im Rahmen des Bayrisch-Chinesischen Sommers 2013 eine Open-Air-Aufführung. Wegen des kalten und regnerischen Wetters musste der festliche Umzug leider abgesagt werden. Trotzdem hat der Auftritt der Peking-Oper aus Nanjing zahlreiche Zuschauer angezogen und ein Highlight des Abends gebildet.

Dietfurt befindet sich im bayerischen Süden. Die Stadt hat zwar einen überschaubaren Umfang mit ca. 6000 Einwohnern, deren historische Beziehung mit China jedoch bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts zurückreicht. In der Geschichte verschlossen die reichen Dietfurter ihre Stadttore und verweigerten dem Bischof Lehen und Abgaben zu leisten. So wurden die Einwohner dort als die „Chinesen“ bezeichnet. Einen historischen Nachweis bezüglich des Ausdrucks „Chinesen“ bietet bereits der „Kalender für kath. Christen auf das Schaltjahr 1860“. Die Dietfurter haben nicht nur diese Nennung mit Stolz anerkannt, sie haben auch chinesische Elemente in den Dietfurter Fasching eingemischt, wohl erstmals im Jahre 1928. Abgesehen von der Kriegszeit ist die Tradition des Chinesenfaschings fast ununterbrochen bis heute erhalten geblieben. Jedes Jahr verkleiden sich die Einwohner in Dietfurt zur Faschingszeit als „Chinesen“, natürlich nach ihrer Vorstellung und Fantasie von China und deshalb immer mit einer lustigen Färbung. Seit 1954 wählt das Volk noch seinen Kaiser „Ko-Huang-Di“. Der Faschingszug – bestehend aus Dietfurter „Chinesen“ – zieht jedes Jahr Touristen aus aller Welt an.

Wie „chinesisch“ die Stadt Dietfurt ist, sieht man am Chinesenbrunnen auf dem Rathausplatz und dem Qigong-Weg durch die Stadt. Seit 2010 findet neben dem jährlichen Chinesenfasching noch der Bayrisch-Chinesische Sommer mit einem festlichen Umzug und dem 7-Täler Lauf statt.

Trotz der Absage des Festes 2013 fand die Ausstellung „Chinesische Tusche-Malerei“ der Tusche-Malereimeisterin Frau Zhou Mei statt. Frau Zhou gibt auch Malerei-Kurse im Konfuzius-Institut München.

Trotz des Regens erschienen um 19 Uhr zahlreiche Zuschauer beim Auftritt der Open-Air-Peking-Oper auf dem Rathausplatz. Ca. 20 professionelle Peking-Oper Schauspielerinnen und Schauspieler aus Nanjing führten insgesamt vier klassische Stücke auf, nämlich den „Tanz des Drachen und des Phoenix“ „Die betrunkene Konkubine“ „Blumenregen“ und „Generalin Mu Guiyin in der Schlacht um Hongzhou“. Unter den auftretenden Schauspielern waren die Nationale 1. Klasse Schauspielerin Frau Fan Lexin, der Nationale 2. Klasse Schauspieler Herr Zhou Jian und die „ausgezeichneten jungen Schauspielerinnen“ Frau Wang Can sowie Frau Zhang Chenxuan.

Während der Aufführung fing es an zu regnen, jedoch verteilten die stellvertretende Bürgermeisterin Frau Ilse Werner und ihre Kolleginnen den Zuschauern Regenmängel. Das regnerische Wetter störte die Leidenschaft der Schauspieler und der Zuschauer überhaupt nicht. Nach der Aufführung schenkten die Zuschauer den Peking-Oper-Schauspielern einen langen und starken Beifall.

Zum Schluss bedankte sich der Bürgermeister Herr Franz Stefan bei dem Peking Oper Ensemble aus Nanjing und dem Konfuzius-Institut München. Erfreulicherweise äußerten auch viele Zuschauer den Wunsch auf ähnliche Veranstaltungen in der Zukunft.

von Rong Wang und  Hannah Yingying von Minden

Am 12. Juni 2013 fand im Kino Monopol in München-Schwabing die Eröffnungsfeier der Münchner China-Filmtage statt, ein Projekt, das von Sinologie-Studenten der Ludwig-Maximilians-Universität München in Zusammenarbeit mit dem Konfuzius-Institut München organisiert wurde. Fünf Tage lang wurden berühmte Kampfkunstfilme, auch Martial Arts Filme genannt, in chinesischer Originalfassung gezeigt. Parallel dazu hielten Professoren und Gelehrte im Auditorium der LMU Vorträge zu diesbezüglichen Themen.

Die Eröffnungsfeier fand in der neu eingerichteten Kino Bar statt. Nach Eröffnungsreden von Frau Fangfang Gao, Leiterin des Konfuzius-Instituts, und den Organisatoren des Projekts, u. a. Frau Anna Stecher und Frau Katarina Cvitic, hatten die Gäste Zeit, sich zu unterhalten. Es gab traditionelles chinesisches Essen und Schüler der WuYuan Kampfkunstschule in München führten den chinesischen Löwentanz auf, bei dem zwei Tänzer unter einem bunten Löwenkostüm steckten und sich zum Trommelschlag bewegten.  Anwesende Professoren und Studenten gaben auf die Frage, wieso sie sich dazu entschieden haben, sich mit China zu befassen, immer dieselbe Antwort: Das Interesse am Entdecken und Kennenlernen des Fremden hätte sie zu dieser Entscheidung geführt und zu tollen Projekten wie eben auch den Filmtagen motiviert. Später wurden die Gäste vom tanzenden Löwen nach unten zu den Kinosälen geleitet, wo der erste Film „A touch of Zen“ auf das Publikum wartete.

Vom 13.-15. Juni konnten sich besonders Interessierte vor dem Kinobesuch die genannten Vorträge in der LMU anhören. Der Sinologieprofessor Hans van Ess hielt den Vortrag „Der Ursprung des Robin Hood Ideals im alten China“; Prof. Stefan Kramer,  extra aus Leipzig angereist, referierte über „Ästhetische Raum-Zeiten oder die Symbiose von Kino und Martial Arts“;  Tim Trausch, ein Dissertant der LMU, berichtete „Vom Visuellen und Performativen – Eine Geschichte des chinesischsprachigen Martial Arts Films“. Die Zuhörer konnten viele neue Kenntnisse mitnehmen.

An den Filmtagen konnte man insgesamt sieben Filme anschauen. Am letzten Tag, dem 16. Juni, wurde als Highlight der Wong Kar-Wai Film „The Grandmaster“ gezeigt. Die deutsche Fassung des Films läuft übrigens gegen Ende des Monats in Deutschland an. Der Film war, den Reaktionen der Zuschauer nach, sehr eindrucksvoll und bildete einen krönenden Abschluss der Filmtage, die allen Teilnehmern einen vielfältigen und informativen Einblick in die chinesischen Kampfkunstfilme gewährt hat.

Hannah Yingying von Minden

Chinesische Kalligraphie/ Meisterwerke von Kaihang Tang

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