Die Themen des Jour Fixe reichen von Kunst und Kultur über Geschichte bis zu Wirtschaft und Politik. Häufig haben die Vorträge Chinabezug. Doch der Jour Fixe bietet auch eine Plattform einen Blick in andere Länder zu werfen und soziale Projekte vorzustellen. Ein Beispiel dafür ist der 80. Jour Fixe. Unter dem Titel

10 Jahre vor Ort in Nordkorea

berichtete Herr Karl Fall von seinen Erfahrungen als Auslandsmitarbeiter der Deutschen Hungerhilfe. Bereits zehn Jahre arbeitet Herr Fall vor Ort in Pjöngyang. Als gelernter Gartenbauingenieur kümmert er sich um die Ernährungslage der nordkoreanischen Bevölkerung.  In dieser Tätigkeit wird er von UP-Micro Loans unterstützt.

In seinem Vortrag stellte er in einem allgemeinen Teil Land, Leben und Gesellschaft Nordkoreas vor. Dabei entkräftet er einige weitverbreitete Vorurteile, wie über den ausgeprägten Militarismus der einfachen Leute. Im zweiten Teil stellte er vergangene Projekte der Hungerhilfe vor, um im dritten Teil auf die gegenwärtigen Projekte und Ziele überzuleiten.

Besonders durch sein detailliertes Sachwissen und  einprägsame Praxisbeispiele konnte Herr Fall schnell die ungeteilte Aufmerksamkeit seine Zuhörer gewinnen. Ein Hauptaugenmerk richtet er dabei durchweg auf:

Hilfe zur Selbsthilfe, statt Abhängigkeit von Zuwendungen.

Es zeigt sich, nicht nur die Intention von Hilfsprogrammen bedacht werden muss, sondern auch ihre Umsetzung.

Ein Beispiel dafür ist die von Herrn Fall importierte Saataufbereitungsfabrik. Diese erziele einen Ertrag von zusätzlichen 750.000t Mais pro Jahr. Das ist die selbe Menge, die das Spendenprogramm der Vereinigten Staaten von Amerika jährlich versende. Vor Ort und zu einem Bruchteil der Kosten.

Hauptzielgruppe seiner Arbeit sind Alte, Kinder und schwangere Frauen. Damit die Hilfe sie erreicht, bindet er sie wo möglich direkt in die Arbeit ein. Abgeschlossene und laufende Projekte umfassen:

  • Schulspeisungen mit energiereichen Lebensmitteln
  • Saatgutanreicherung zur Verbesserung der Ernte
  • den Bau von Gewächshäusern zur Selbstversorgung von Tuberkulose-Krankenhäusern in Zusammenarbeit mit der Caritas

An den Vortrag schloss sich eine angeregte Diskussion an. Spät am Abend verabschiedete sich Herr Fall von den zahlreichen Gästen. Keine drei Tage später fliegt er zurück nach Pjöngjang, Nordkorea.

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Karl Fall, Gartenbauingenieur aus Ingolstadt, ist Auslandsmitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe. Nach Stationen in Thailand, Tonga, Laos, Vietnam, und Myanmar ist er nun seit 10 Jahren in Nordkorea tätig. Er und seine Kollegen versuchen dort durch landwirtschaftliche Projekte die Ernährungslage langfristig zu verbessern.

von Adam Lange

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