September 2013


Der 81. Jour Fixe war ebenso erfolgreich wie die vorhergegangen und auch diesmal war es uns eine Freude, Ihnen einen weiteren Vortrag zu präsentieren, und zwar mit dem Thema

Der erste Kaiser von China und seine Terrakottaarmee

Fr. Dr. Maria Khayutina, die im Bernisch Historischen Museum in Bern die Ausstellung als Kurautorin mitgestaltet hat, beginnt mit ihrem Vortrag beim Aufstieg des ehemaligen Fürstentums Qin.

  1. 1.       Vom Königreich zum Kaiserreich

870 v. Chr. war Qin ein Fürstentum, dessen Dienste für das Königshaus so wertvoll waren, dass es 770 v. Chr. zum Herzogtum aufstieg. 324 v. Chr. erklärt Herzog Xiao sich selbst zum König und das Land zum Königreich. Mit seinem sogenannten „Legalismus“ schafft er durch Gesetze und eine frühe Planwirtschaft einen starken Staat, der auf Krieg ausgelegt ist. Das ist die Grundlage für Ying Zheng, der 246 v. Chr. den Thron besteigt und mit den Eroberungen aller sechs Nachbarreiche zwischen 230 bis 221 v. Chr. das erste Kaiserreich Chinas gründet. Er nennt sich selbst Qin Shi Huangdi, was wörtlich übersetzt „gottgleicher Herrscher“ bedeutet. Durch Standardisierungen der Gesetze, der Schrift, der Gewicht-, Volumen- und Längeneinheiten, sowie der Währung gelingt es dem ersten Kaiser Chinas, das Land zu einen. Bauprojekte wie Schnellstraßen und die Lange Mauer zur Abwehr der Barbaren prägen China noch heute. Auf Reisen festigt er seine Macht, doch während einer dieser Inspektionsreisen erkrankt der Kaiser und stirbt 210 v. Chr.

Wie jedes andere Kaiserreich hatte auch das erste Kaiserreich Chinas seine Schattenseiten. So wurde 213 v. Chr. ein Verbot der „privaten Gelehrsamkeit“ ausgesprochen und private Bücher verbrannt. Später lässt Huangdi Gelehrte hinrichten und sogar nach seinem Tod wird seine Macht missbraucht, um die Thronfolge zu manipulieren. Mit dem Aufstand von Chen Sheng 208 v. Chr. entbrennt ein Bürgerkrieg, der den Zusammenbruch des Reiches bedeutet.

  1. 2.       Die Terrakottaarmee

Bereits bei der Besteigung des Throns 246 v. Chr. beginnt Qin Shi Huangdi mit der Planung seines Grabes.  Er lässt eine Grabanlage in der Nähe von Xi’an bauen und errichtet dort Tempel und Paläste. Seine Terrakottaarmee  zählt 8000 Figuren, von denen einige erst 1974 durch Zufall von Bauern entdeckt werden. Sie befinden sich am Rand der ersten Grube, die ca. 6000 Figuren fassend die Infanterie darstellt. In der zweiten Grube stehen die Kavallerie und Wägen, sowie Bogenschützen bereit, um die Befehle aus der dritten Grube zu empfangen, die mit Offizieren und Kommandanten gefüllt ist. Alle Figuren standen in Kampfaufstellung und waren mit echten Waffen aus Bronze ausgestattet, die jedoch bei Grabplünderungen entwendet wurden.

  1. 3.       Die Grabanlage

Die Gruben mit den Terrakottakriegern befinden sich ungefähr 1,5 km entfernt vom Grabhügel, der das Zentrum darstellt. Neben Pferdeställen wurden auch unterirdische Seen angefertigt, die mit Wasservögeln und Musikanten aus Terrakotta ausgestattet waren und als Ruheoase für den Kaiser zu dienten. Sogar ein Zirkus und eine Verwaltungseinheit aus Beamten wurden als rituelle Beigaben ins Grab gelegt. Um die Überfahrt der kaiserlichen Seele ins Jenseits zu gewährleisten wurden zwei Bronzewagen mit Gold- und Silberverzierungen bereitgestellt. Seit 1987 ist die Grabanlage ein UNESCO-Welterbe und wird oft als „achtes Weltwunder“ bezeichnet.

Terrakottafiguren gab es bereits vor Qin Shi Huangdi und galten als rituelle Grabbeilage. Jedoch waren sie nie so zahlreich und so realistisch gestaltet wie die im Grab des ersten Kaisers von China. Für die Kaiser, die folgen sollten, galt er als Beispiel für die Gestaltung des eigenen Grabes.

von Sabrina Müller

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Dr. Maria Khayutina studierte Geschichte mit Schwerpunkt Altes China an der Staatsuniversität Moskau und promovierte 1999 am Institut für Orientalistik der Russischen Akademie der Wissenschaften. Seit 2001 geht sie einer Forschungs- und Lehrtätigkeit an der Ruhr-Universität Bochum und der Ludwig-Maximilians-Universität München nach. Das Ausstellungsteam für «Qin – Der unsterbliche Kaiser und seine Terrakottakrieger» des Bernischen Historischen Museums unterstützt sie seit 2011.

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Tag der Chinesischen Sprache 2013


Im Rahmen des Deutsch-Chinesischen Sprachenjahres 2013/14 findet der erste europaweite „Tag der Chinesischen Sprache“ (“汉语日”) in allen Konfuzius-Instituten zeitgleich am 28.09. statt.

Der „Tag der Chinesischen Sprache“ (“汉语日”) dauert in München zwei Tage, am 27.09. am Odeonsplatz als ein Teil der städtischen Veranstaltung „AnderArt“ und am 28.09. im Konfuzius-Institut München am Färbergraben 18.

Es werden vielseitige Veranstaltungen wie Chinesisch-Sprachkurse, Kalligraphie- sowie Tuschemalerei-Workshops, Spielstand und vieles mehr geboten.

27.09.2013, am Odeonsplatz
14:00-20:00 Uhr
-Scherenschnitt
-Kalligrafie und Tuschemalerei
-Chinesische Teezeremonie
-Chinesische Spiele
-Quiz
28.09.2013, Färbergraben 18
14:00-22:00 Uhr
-Schnupperkurs Chinesisch
-Scherenschnitt
-Kalligrafie und Tuschemalerei
-Chinesische Teezeremonie
-Chinesische Spiele
Mehr Informationen finden Sie auf unserer Webseite:

 Wir freuen uns auf Ihr Kommen!