Chinesischer Alltag in Deutschland

Geschichte und Geschichten

Von Sabrina Müller

Dagmar Yu-Dembski, ihrerseits Autorin des Buches „Chinaprinzessin“, erzählte uns an diesem Jour Fixe etwas über die Geschichte der Chinesen in Deutschland und später auch etwas über ihre eigene Geschichte als zweite chinesische Generation in China.

Die ersten Chinesen betraten 1823 in Begleitung eines holländischen Kaufmanns deutschen Boden. Doch die erhoffte Freiheit im neuen Land wurde schnell von dem Kaufmann zunichte gemacht, der die beiden „exotischen“ Menschen ausstellte und dafür Geld kassierte.

Die Faszination die von den ungewohnten neuen Menschen ausging hat selbst Theodor Fontane nicht kalt gelassen. Die Mauer rund um die von Chinesen bewohnte Heidevilla wurde 1885 von ihm als chinesische Mauer und der Landwehrkanal als Yangtse besungen.

Doch als solch neues Volk in einer so konservativen Gesellschaft wie der in Deutschland war es für jeden neue eintreffenden Chinesen schwer Fuß zu fassen. Auch die Presse berichtete vorurteilig über die unbekannten Ausländer und schaffte so einen hervorragenden Nährboden für negative Gerüchte und kritische Gedanken.

Trotzdem zog es während der Weimarer Republik in den 20er Jahren viele junge Chinesen und auch Chinesinnen nach Deutschland. Besonders durch den Verlust seiner Kolonien war Deutschland nach dem Ende des zweiten Weltkriegs plötzlich gleichwertig mit China. Zum ersten Mal konnten Verträge auf gleicher Ebene abgeschlossen und ein Wissenschafts- und Studentenaustausch begonnen werden.

Auch war Deutschland das Land von Marx und Engels und somit zog es viele Studenten wegen politischer Beweggründe dorthin.

Auch als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kommen, wagen es immer noch viele chinesische Akademiker nach Deutschland zu reisen. Zeitzeugen sahen sich damals selbst als „Gäste“ in dem nationalsozialistischen Land, und „als Gast mischt man sich nicht ein.“ Man hatte damals genug eigene Sorgen im eigenen Heimatland. Man bangte um Verwandte und Freunde, die dem anti-japanischen Bürgerkrieg ausgesetzt waren.

Nach Ende des Krieges kehrten viele Chinesen in ihre Heimat zurück, doch wie einige andere blieb auch der Vater von Dagmar Yu-Dembski mit seiner deutschen Frau in Deutschland und eröffnete dort zunächst ein Restaurant und 1957 dann die bald sehr angesagte „HongKong Bar“.

In ihrem Buch „Chinaprinzessin“ erzählt Dagmar Yu-Dembski ihre bewegende Geschichte über ein junges Mädchen, das erst nach dem frühen Tod ihres Vaters beginnt sich mit den eigenen chinesischen Wurzeln zu beschäftigen.

In einigen kurzen Ausschnitten, die uns Frau Yu-Dembski aus ihrer Autobiografie vorliest, erhalten wir Einblicke in ihre Reise in das Heimatland ihres Vaters, die Sorge der Mutter um den immer länger fortbleibenden Vater und den begründeten Grund dafür.

Viele Gespräche mit der Autorin selbst und natürlich untereinander ließen den Abend wunderbar ruhig ausklingen.

Wir hoffen, Sie beim nächsten Jour Fixe wieder begrüßen zu dürfen!

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