Dezember 2013


85. Jour Fixe

der Stiftung ex oriente – Chinas Sprache, Kultur und Wirtschaft in Deutschland

am Freitag, den 10. Januar 2014, um 19:30 Uhr

Ort: Hofstatt 1 (Färbergraben 16), 5. Stock, 80331 München
c/o P+P Kanzlei Pöllath + Partners

Konfuzianismus: Chinas zweite Kulturrevolution
als Herausforderung für den Westen

Vortrag und Diskussion mit Dr. Manfred Osten

Die Neuinterpretation des chinesischen Philosophen Konfuzius, der unter Mao verpönt war, zeigt Chinas Expansionsdrang, der sich inzwischen auch auf die Kulturpolitik ausgeweitet hat. Dr. Manfred Osten beschäftigt sich vor allem mit dem Einfluss des politisch verordneten Konfuzius-Programms auf die Wettbewerbsrolle Chinas im Prozess der Globalisierung. Er thematisiert hierbei besonders die konfuzianische Wertorientierung als wichtigen Erfolgsfaktor.

Dr. Manfred Osten diskutiert mit Ihnen über die daraus folgenden Zielsetzungen der Industrie-, Wirtschafts- und Wachstumspolitik. Auch geht er auf die soziokulturelle und historische Bedeutung des Konfuzianismus, besonders für Bereiche wie Bildung und Erziehung, ein. Zudem untersucht Dr. Manfred Osten die Auswirkungen der „harmonischen“ Strategie Pekings auf die westliche Welt.

Dr. Manfred Osten studierte von 1959-64 Rechtswissenschaft, Philosophie, Musikwissenschaften und Literatur in Hamburg und München. 1969 erfolgte die Promotion „Über den Naturrechtsbegriff in den Frühschriften Schellings“. Im selben Jahr trat er in den Auswärtigen Dienst mit Stationen in Frankreich, Kamerun, Tschad, Ungarn, Australien und Japan. 1993 wurde er Leiter des Osteuropa-Referats im Presse und Informationsamt der Bundesregierung. Von 1995 bis 2004 war er Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung. Die Aufsätze und Rezensionen, die er für bekannte Zeitungen wie die Süddeutsche Zeitung verfasst, drehen sich schwerpunktmäßig um Philosophie, Literatur, Musik und Japan.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Der 84. Jour Fixe war eine beeindruckende Lesung des Buches

Kleiner Phönix – Eine Kindheit unter Mao

Die Autorin Zhao Jie wuchs zur Zeit der Kulturrevolution mitten in Peking in der Nähe des Platzes des Himmlischen Friedens auf. Als sie zehn Jahre alt war trug sie auf einer Schulkundgebung eine Kritikrede gegen ihre Schuldirektorin vor und wurde daraufhin als Vorzeigekind zur Musterrotgardistin gedrillt.

In ihrem Buch erzählt Zhao Jie sehr eindrücklich von ihren Erinnerungen als Kind der Kulturrevolution und später über ihre Zeit in einem zentralchinesischen Bergbauerndorf und ihren dort stattfindenden Sinneswandel.

Zunächst erzählte uns die Autorin von ihrer Kindheit, die aus ihrer damaligen Sicht vollkommen normal war. Unterstützt wird sie dabei von einer alten Freundin, die ebenfalls aus China stammt.

Während des Jour Fixe las Zhao Jie drei Passagen aus ihrem Buch vor. Die erste Passage erzählt von ihrer Kindheit mit ihrer Großmutter. Beeindruckend war hierbei die detailgetreue Beschreibung ihres Wohnorts sowie die der jährlich zu erledigenden Arbeiten.  Mithilfe von Tagebüchern, Recherchen und Gesprächen mit Familien und Freunden hat Zhao Jie versucht ihre Vergangenheit, die sie nie losgelassen hat, zu erhalten und in einem Buch zusammengefasst.

Die Gewalt gegenüber Nachbarn, die über Nacht zu „Klassenfeinden“ wurden, und Autoritäten durch die Rotgardisten, hat sie als Kind zwar noch nicht verstanden, aber doch bemerkt. Die zweite Passage beschrieb den Wendepunkt in ihrem Leben: Die Kritikrede gegen ihre Schuldirektorin. Sie selbst nannte diesen Moment die Geburtsstunde eines anderen Mädchens und ein Ereignis, das ihrer Kindheit ein Ende gesetzt hat. Mit dem Begriff „unschuldige Schuldige“ versuchte die Autorin zu erklären, dass sie als Kinder zu politischen Zwecken missbraucht wurden, sie das jedoch nicht unschuldig macht.

Nach und nach wurde die Schule in eine militärische Einheit verwandelt und Zhao Jie wurde  zur „Kompanieführerin“ ihrer Jahrgangsstufe erklärt. Als sie schließlich die Schule erfolgreich abschließt, meldet sie sich, um als Bäuerin in eine unterentwickelte Region zu gehen, um dort die politischen Lehren des Sozialismus zu verbreiten. Doch statt die Menschen dort zu revolutionieren, war es Zhao Jie, die einen Sinneswandel durchlebte.

Die dritte Passage ist ein Beispiel für den Beginn ihres Sinneswandels. Während eines Aufnahmegesprächs mit einem Jungen aus dem Bergbauerndorf fragt sie ihn nach seinen Idealen. Dieser nennt ihr den Wunsch, jemanden zu heiraten ohne das Brautgeld zahlen zu müssen und der Gedanke Metzger zu sein, damit er und seine Mutter für immer Fleisch haben. Diese einfachen Gedanken beeindruckten Zhao Jie weitaus mehr als jedes vom Kommunismus definiertes Ideal.

Als die Kulturrevolution 1969 scheiterte, kehre Zhao Jie nach zwei Jahren nach Peking zurück. 1984 kam sie zum studieren in Berlin und lebt seitdem als Übersetzerin in Deutschland.

von Sabrina Müller

Am 16.11.2013 nahmen jugendliche Kursteilnehmer, deren Eltern ursprünglich aus China stammen, an dem Märchen-Lesefest teil. Das mehrsprachige Lesefest wurde von der IG-InitiativGruppe München organisiert. Die Kursteilnehmer lasen zwei traditionelle chinesische „Cheng Yu“- Geschichten („Der Fuchs und der Tiger“ und „Als der Bauer einen Hasen erwartete“) und eine Äsop-Fabeln („Der Laufwettbewerb zwischen Hase und Schildkröte“) vor. Zudem wurde die traditionelle chinesische Kultur durch Schnürknoten (eine chinesische Volkskunst), Tai-Qi und chinesische Sternzeichen dem Zuschauer nahe gebracht.

Die IG-InitiativGruppe München organisierte das Märchen-Lesefest mit der Motivation, die Lesefreude bei Jugendlichen zu fördern und ihnen eine offene Plattform zu bieten, neue Kulturen und Sprachen kennenzulernen. Während der mehr als drei Stunden dauernden Veranstaltung konnten ca. 100 jugendliche Zuschauer begrüßt werden. Es wurden sowohl ausländische Märchen, wie das bekannte türkische Schattenspiel „Hacivat und Karagöz“, als auch deutsche Märchen, zum Beispiel Rotkäppchen, vorgetragen. Die Geschichten wurden dabei jeweils in der Heimatsprache, wie kurdisch, arabisch, türkisch oder chinesisch, und der deutschen Sprache vorgelesen. Die jungen Zuschauer konnten an einem Nachmittag eine internationale Märchenwelt erleben.

Das Konfuzius-Institut München strebt beständig die Förderung der chinesischen Kultur und Sprachvermittlung an und nimmt deshalb oft bei kulturellen Veranstaltungen, wie der oben beschriebenen, unterstützend Teil. Die Lesefest-Teilnehmer, die bei uns Chinesisch-Kurse besuchen, bereiteten sich bereits mehrere Wochen auf das Märchen-Lesefest vor. Neben richtiger Aussprache wurde auch das Auftreten durch Emotionen und Körpersprache fleißig geübt. Die Mühe hat sich gelohnt und ihre Sprachdozentin hat einen guten Grund mehr, auf ihre Schüler stolz zu sein.

Für die chinesischstämmigen Teilnehmer bot das Lesefest ihrer Meinung nach eine gute Möglichkeit, deutschen Jugendlichen die fremde Kultur zu zeigen und mehr über ihre eigene Heimatkultur herauszufinden.

von Shu Jiang, Sabrina Müller und Rong Wang