Bayern in China


Andreas Zagler kommt von der TU München und entwickelt neue Antriebs- und Fahrwerktechnologien für die Automobilindustrie. Er leitet für seine Firma ein Team in Schanghai.

Bei einem Vortrag im Rahmen der Chinawochen der TU München (am 29.4.)stellte er die wichtigsten Unterschiede vor, die es zu beachten gilt, wenn Deutsche und Chinesen zusammenarbeiten.

1. „Warum für morgen planen, wenn es JETZT etwas zu tun gibt?“ Unsere deutsche Neigung, genau vorauszuplanen, ist in China fremd. Das wird kompensiert durch eine für uns erstaunliche Flexibilität und Bereitschaft, Neues auszuprobieren.

2. Es gibt Kommunikationsschwierigkeiten zum einen durch rein sprachliche Missverständnisse, dann aber auch durch die „deutsche“ Direktheit (schon das Erinnern an einen Termin klingt für Chinesen wie eine Mahnung oder gar Abmahnung), sowie durch den Mangel an Feedback: Chinesen antworten auf die Frage, ob es bei der anstehenden Arbeit Probleme gebe, fast grundsätzlich mit Nein. Da braucht es anderer Zugänge für einen Vorgesetzten, herauszufinden, wie die Sache steht.

3. Da die chinesische Ausbildung vor allem auf Auswendiglernen und Theorie baut, fehlt es den Anfängern in der Firma an Praxis und an der Fähigkeit, selbständig zu arbeiten. Das gibt sich aber rasch aufgrund der enormen Lernbereitschaft und Lernfähigkeit.

Resümee von Andreas Zagler bezüglich Arbeit, Planung, Kommunikation: China tickt anders, aber nicht schlechter.

(Gastbeitrag von Rong Wang)

Deutsche Marken haben in China große Beliebtheit gewonnen. Jedoch wissen die meisten Chinesen wahrscheinlich nicht, was z.B. „Porsche“ ist, denn die deutschen Marken haben im Reich der Mitte neue Namen, und natürlich auf Chinesisch.

Deutsch und Chinesisch sind zwei sehr unterschiedliche Sprachen. Es gibt gute Gründe zu fragen, ob manche Wörter überhaupt vom Deutschen ins Chinesische übersetzt werden können, insbesondere wenn die Wörter Namen sind. Die Tatsache, dass Namen schwer zu übersetzen sind, ist nicht zu leugnen. Dazu braucht man nicht nur gute Sprachkenntnisse, sondern auch viel Intelligenz. Die findet man bei den chinesischen Namen der deutschen Marken, die bei ihrer Erfolgsgeschichte wohl auch eine große Rolle neben der guten Qualität gespielt haben.

-BMW: auf chin. „bauma“. „bau“ heißt „Schatz“ und „ma“ heißt „Pferd“. Klingt zwar etwas anders als sein ursprünglicher Name, hat aber eine gute Bedeutung, gerade als Autormarke.

-Benz: auf chin. „bentschi“ und heißt „sausen“. Eine passendere Übersetzung könnte es wahrscheinlich nicht geben.

-Opel: auf chin. „oubau“. „ou“ heißt „Europa“ und „bau“ heißt „Schatz“. Opels chinesischer Name bedeutet „Schatz Europas“.

-Porsche: auf chin. „bauschijie“. „bauschi“ heißt „Zeit sparen“ und hat dieselbe Aussprache wie „Edelstein“. „jie“ heißt „schnell“.

-Oral B: auf chin. „oule B“. „ou“ heißt „Europa“ und „le“ heißt „fröhlich“. Es ist eine schöne Sache, dass „fröhlich“ assoziiert wird, wenn man die „Oral B“ sieht. Und man weiß sogar, dass die Marke aus Europa stammt.

Soweit ein kurzer Blick auf die chinesischen Namen der deutschen Marken. Fremdsprachen zu übersetzen ist nicht immer eine harte Arbeit, sondern macht  auch viel Spaß, oder?

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Autorin: Rong Wang (Germanistikstudentin an der LMU seit 2,5 Jahren)

Gastbeitrag: Ingo Noßke  

Die Chinesische Mauer & ich

 

Ich bin Münchner, 23 Jahre alt, studiere Physik (im 6. Semester, mit Nebenfach Astonomie), habe in München einen chinesischen Freund kennengelernt, den ich mal in China besuchen wollte.
 
Außerdem dachte ich mir, dass es noch nie eine Zeit in der Geschichte gegeben hat, in der es so leicht für einen Europäer war, nach China zu reisen  – sofern er Zeit, Geld und Energie hat – da China zur Zeit sehr offen ist. Wer weiß, wie es in den kommenden Jahren außenpolitisch weitergeht …
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Also bin ich nach China gereist.
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Hier ein paar Sachen, die mir besonders aufgefallen sind:

 

(mehr …)

Einen realistischen Blick auf die Situation der chinesischen Musik bot Robert Zollitsch beim 44. Jour Fixe der Stiftung ex oriente; er zeigte damit das kulturelle Dilemma auf, in dem China nicht nur bezüglich der Musik steckt.

1. Noch gibt es lebendige, reiche, qualitätsvolle Volksmusik, instrumental und gesungen, aber sie schwindet dahin – wird ersetzt von westlicher bzw. westlich geprägter Musik und Karaoke. Formen und Kompetenzen gehen damit verloren.

2. Der akademische Musikbetrieb ist bisher weder willens noch in der Lage, das Erbe der klassischen Musik Chinas aufzugreifen. Er orientiert sich fast bedingungslos an der klassischen und zeitgenössischen Musik des Westens. Es dominiert – auf hohem Niveau – das Spezialistentum.  

3. Bezüglich eigener, das heißt zeitgemäß chinesischer Musikstile zeigt sich China im Moment noch orientierungslos. China hat für sich noch keine schlüssige Musiksprache gefunden.

4. Was wir mit unseren westlichen Ohren als typisch Chinesisch empfinden, ist bereits westlich geprägt. Sie bedient überwiegend unsere westlichen Hörgewohnheiten; das Chinesische wird hier zum Klischee.  In China selbst wird gern die im Westen praktizierte Variation chinesischer Musik übernommen.

5. Traditionelle chinesische Musik wird in der modernen Aufführungspraxis überinterpretiert – pathetisch aufgeladen, manchmal bis zum Kitsch.

Robert Zollitsch ist Münchner, spielt Zither und Guqin und komponiert – chinesische Musik. Was ihn treibt ist das Verbinden – das Verbinden des Alten mit dem Neuen, das Verbinden des Westlichen mit dem Östlichen, das Verbinden der Musiker und Komponisten im Austausch untereinander. Mit anderen Worten: Integration, die das jeweils Eigene vital und kreativ werden lässt.

Wie können die Verbindungen zu den eigenen Wurzeln wieder hergestellt werden? Wie kann das Alte für das Neue fruchtbar gemacht werden?

Im Moment ist China fixiert auf Moderne, Neuerung, Wachstum, auf Anschluss an den Westen. Das Alte steht im Weg – es wird aus dem Weg geräumt, bestenfalls ins Reservat gesteckt. Indem Robert Zollitsch einen geschichtsbewussteren, kulturbewussteren Umgang mit dem Alten und Eigenen pflegt und fördert, schwimmt er gegen den Strom.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Chinesen selbst den Wert ihrer eigenen Traditionen wiederentdecken werden, in der Musik wie in anderen Bereichen ihrer Kultur. Doch auch dann wird es wieder darauf ankommen, wie man das Alte mit dem Neuen, das Fremde mit dem Eigenen verbindet.

Tipp 1: Besuchen Sie Robert Zollitschs Website und hören Sie sich mal ein paar Musikbeispiele an!

Tipp 2: Kaufen Sie sich bei ihm die CD „Gong Linna: Jing Ye Si“. Herrliche Musik – eine wunderbare Kreuzung von klassischer chinesischer mit westlicher Musik.

Tipp 3: Robert Zollitsch empfiehlt Ihnen: Besuchen Sie das Konzert von San Chuan – im Gasteig am Montag, den 19. April!

Bayern in China

Die Verkehrspolizei in Shanghai hat sich 22 BMW der 5er Serie für die Expo angeschafft.

Anzunehmen, dass sie in China selbst gebaut worden sind. Es ist also nur die Software, die noch aus München kommt.

Quelle: China Hush

Die Straßen meiner Stadt müssen nicht meine Hölle sein.

Stau, Lärm, dicke Luft, ungesunde Luft, Bodenversiegelung, Benzinkosten, Lebensgefahr, Parkplatznot, lange Wege, Fußgänger in Reservate abgedrängt, Hektik an allen Ecken … will man das in China?

Unter dem Titel „Balancity“ gestaltet Deutschland seinen Ausstellungspavillon bei der Shanghaier World Expo (1. Mai bis Ende Oktober 2010). 70 Millionen Besucher – vor allem aus China – werden die Ausstellung besuchen, 8 oder 9 Millionen den deutschen Pavillon. Und hoffentlich rausgehen und eine andere Stadtplanung fordern.

„Eine bessere Stadt, ein besseres Leben“ – das ist das Motto für Balancity, für eine Stadt in Balance. Deutsche Industrie und deutsche Institutionen zeigen moderne Lösungen für die Probleme der urbanen Umwelt, vom Car-sharing über Verkehrsleitsysteme bis zur Stadtplanung, die sich an der Lebensqualität orientiert, am urbanen Wohlgefühl.

Ich erinnere mich an die 60er und 70er Jahre in München – an den Traum von der autogerechten Stadt. Ein Glück, dass wir schnell aufgewacht sind. Seither geht es in die andere, die richtige Richtung: Auf die Lebensqualität kommt es an, und für die muss man versuchen, das Auto zu „domestizieren“.

Quelle

Florian Özdikmen, ein Münchner Architekt, baut den deutschen Expo-Pavillon in Shanghai. Ein Artikel in der SZ über seine Arbeit deutet an, wie man dort mit gewissen Schwierigkeiten fertig wird …

1

Der gelbe Watteball geht in Flammen auf. Florian Özdikmen reißt sein Feuerzeug zurück. Das hätte nicht passieren dürfen. „Genau hinschauen.“ Auf der Verpackung stand der Markenname, ein Zertifikat war dabei. „Alles fünfmal hinterfragen“, sagt er. … gerade hat er eine Fälschung entdeckt: brandgefährliche Dämmwolle statt Markenware. Mit Schnelltests wie diesem versucht er Herr zu werden über die chinesische Baukultur …

2

Das Vertrauen in Zusagen der chinesischen Bauunternehmer hat gelitten, aber er hat auch gelernt, wie sie Vertrauen zu ihm aufbauen: Özdikmen verbringt viel Zeit mit seinen Geschäftspartnern, macht Ausflüge, am Wochenende, Woche um Woche hintereinander, erst dann sagen sie, was sie denken, und Absprachen werden verlässlich.

3

… Eine Stadt, in der die Menschen zwei Gesichter tragen, sagt Özdikmen: ein oberflächlich lächelndes – und eines hinter der Maske. Eben dies zu entdecken, findet Özdikmen spannend.

Drei Dinge, die uns Deutschen oft unendlich schwer fallen – Özdikmen zeigt, wie’s geht:
1. einem Produkt zu misstrauen, das sich als Markenprodukt mit Zertifikat ausgibt;
2. die menschliche Beziehung zu suchen und zeitaufwändig zu pflegen – jenseits der geschäftlichen Beziehung;
3. fröhlich die Maskenspiele der anderen zu akzeptieren (und zu durchschauen), ohne moralische Vorwürfe zu machen.

Zitatquelle:  Florian Elsemüller, Goldgräberstimmung in Shanghai, SZ 23.03.2010, S. 40, nicht online)

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