Konfuzius en passant


Wo in München steht diese Statue von Konfuzius?

Der Ort ist zentral – und doch versteckt. Sie sind ihm schon oft recht nah gewesen, ohne etwas von diesem kleinen Park und dieser Statue zu ahnen.

Er würde Sie gerne mal begrüßen. Vielleicht erzählt er Ihnen auch etwas, wenn Sie sich vor ihn setzen und anschauen. Eine Wiese und zwei Bänke links und rechts stehen dazu bereit:

Also, wo in München ist das?

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"Dem Volk ist das Essen der Himmel." Mir ging's hier auch so.

45. Jour Fixe der Stiftung ex oriente  (www.china-stiftung.de)

am Freitag, den 11. Juni 2010
diesmal in der InitiativGruppe, Karlstr. 50

Die älteste – und unbestritten höchste – Kochkultur der Welt wird etwa 70 bis 80 Gästen vorgestellt.

Gerhard Losher, Redaktionsleiter des bayerischen Fernsehens; Weihua Li

Gerhard Losher schilderte eine gelungene deutsch-chinesische Zusammenarbeit beim Film-Kochen. Weihua LI garnierte den Vortrag mit Info, Witz und Weisheit zum Thema Kochen & Essen.

Fingerfood1: Klicken Sie auf das Foto, und ein Röllchen springt Ihnen in den Mund!

Die Kulturrevolution (1966-76) hat fast die gesamte traditionelle Chinesische Kultur zerstört – aber die Koch- und Esskultur hat unbeschadet überlebt.

Fingerfood2

Das Essen ist den Chinesen wichtiger als uns Deutschen. Das merkt man in vielerlei Hinsicht … Deutsche sind überrascht, wie viele Köche in einer Küche arbeiten – 20 – 30 in einem mittelgroßen Restaurant. Dazu kommen noch ebenso viele Bedienungen. Köche haben in China auch einen höheren Status als in Deutschland. Selber gut kochen zu können gehört außerdem zur Bildung eines Menschen.

Fingerfood3 (hier: von zauberhaft sanfter Süße)

Einige Besonderheiten im chinesischen Restaurant – in China (!):

  • Man gibt kein Trinkgeld – es wäre ein Affront!
  • Es gibt kaum Wartezeit. Man bestellt, und in 5 Minuten steht das Essen auf dem Tisch.
  • Heute bevorzugt man Bier – Tee ist out.
  • Auch Reis ist weniger selbstverständlich als bei uns.
  • Der Tisch ist rund: das steht für Harmonie, ist praktisch (macht den Drehtisch in der Mitte möglich, so dass alle von den bestellten Speisen kosten können) und fördert das Wirgefühl.
  • Der runde Tisch ist trotzdem hierarchisch geordnet. Die Gäste werden nach Wichtigkeit platziert. Platz Nummer 1 schaut zur Tür und ist für den Gastgeber. Von diesem Platz aus ist rechts die gute, links die weniger gute Seite. Je näher beim Gastgeber, desto besser. Der Vize sitzt genau gegenüber dem Chef und zahlt die Rechnung.

Smalltalk mit Fingerfood im Hof der InitiativGruppe

Eigentlich muss was übrig bleiben. Die Köche und Gastgeber legen großen Wert darauf! Dieses Ziel wurde am Freitag verfehlt – es waren zu viele Gäste da …

Das Ende: eine saubere Angelegenheit. Man braucht weder Finger noch Teller nicht zu waschen.

Zum Schluss noch Weihua Li’s besten Witz:

Auf Deutsch sagt man: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s gänzlich ungeniert.“

Auf Chinesisch: „Ein totes Schwein hat keine Angst vor dem kochenden Wasser.“

Mit Horst Kleemaier genieße ich eine weitere Köstlichkeit aus China: Wir studieren zusammen Konfuzius in einem Lesezirkel des Konfuzius-Instituts.

Das Deutsch-Chinesische Kulturnetz stellt der in München lebenden taiwan-chinesischen Autorin, Journalistin und Regisseurin Jade Y. Chen 10 Fragen. Hier eine davon – und eine bemerkenswerte Antwort: 

In welcher Weise hat die Begegnung mit Deutschland Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Da die deutsche Grammatik fast so komplex ist wie Anatomie, braucht man gar nicht den Mund aufzumachen, solange man noch nicht ganz genau weiß, was man sagen will.

In der chinesischen Syntax hingegen müssen wir keine Verben konjugieren. Da die Grammatik relativ simpel ist, können die einzelnen Wörter beinahe wie Bauklötze aneinandergereiht werden.

In gewisser Weise lässt es das Chinesische zu, dass man spricht während man denkt, und sollte etwas unklar bleiben, fügt man einfach noch etwas hinzu.

Durch das Erlernen der deutschen Sprache haben sich meine Denkgewohnheiten verändert. Heute muss ich mir erst darüber im Klaren sein, was ich sagen will, bevor ich zu reden anfange. In der Folge hat das womöglich auch mein Schreiben beeinflusst.

Merkt man etwas davon, wenn Chinesen Deutsch sprechen?
Würde das Umgekehrte mit einem Deutschen passieren, wenn er sein Leben in China verbrächte?
Lassen sich vielleicht generell Missverständnisse zwischen Deutschen und Chinesen manchmal auf diese Differenz zurückführen?

Hier noch ein kleines Juwel, bei dem ich aber nicht sicher bin, ob es echt ist: (mehr …)

für mich: Zhang Yimou, Heimweg (The Road Home)

Seit ich ihn mir – es war im Jahr 2000 – 25mal hintereinander in Münchner Kinos angeschaut habe, bin ich in China verliebt.

Wenn Sie den Film kennen, werden Sie sich vielleicht wundern, was denn so magisch an ihm sein könnte.

Zu erleben ist

  • in reichen Sommer- und Herbstfarben eine Liebesgeschichte in einem abgelegenen chinesischen Dorf
  • mit einer den halben Film umfassenden mühsamen winterlichen Rahmenhandlung in Schwarz-Weiß,
  • in dieser Rahmenhandlung begraben die alte Zhao Di und ihr Sohn den Vater,
  • und in der wortarmen, aber farbenreichen Liebesgeschichte dazwischen sehen wir, wie sich 40 Jahre davor das Mädchen Zhao Di ihren Mann mit Geschick und Entschlossenheit geangelt hat.

Jugend und Alter werden hier genial miteinander verknüpft. Wie eine Offenbarung habe ich das erlebt. Das Glück der Jugend, in flammenden Farben, in den liebenden Augen eines Mädchens – die Melancholie, aber auch die Würde des Alters im Beharren der alten Frau auf dem, was sich gehört.

Das Ganze des Lebens – in einer Stunde Film meisterhaft in Szene gesetzt.

Konfuzius, Gespräche IX,28:

„Erst in der kalten Jahreszeit merkt man, dass Kiefern und Zypressen immergrün sind.“

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Die Kunst der Holzkonstruktion – Architekturmodelle der chinesischen Baukunst:

Bis zum 28. Februar (Verlängerung!) kann man im Architekturmuseum der TU München (in der Pinakothek der Moderne) noch die Ausstellung dazu sehen. Der München-Blog informiert

Das besondere an der chinesischen Bauweise ist die Art und Weise, wie aus Holzpfeiler und tonnenschweren Ziegeldächern durch die ganz besondere Verbauung Häuser entstehen, die selbst den widrigsten Bedingungen und sogar Naturkatastrophen standhalten. Das ist auch der Grund dafür, dass man noch heute Bauwerke aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. Bestaunen kann.

Auf der Website des Architekturmuseums wird dies so erläutert:

Über etwa drei Jahrtausende wurden fast alle öffentlichen Gebäude in China nach einem sich kaum wandelnden Bausystem errichtet: Auf hölzernen Stützen ruht ein mächtiges, geschwungenes Walmdach mit weit ausladenden Dachtraufen und Ziegeldeckung, das von einer kunstvollen Holzkonstruktion getragen wird. Stützen, Pfetten sowie übereinander angeordnete Reihen mit kurzen Balken bilden ein Gerüst, dessen Teile alle nur durch Zapfen miteinander verbunden sind, sodass ein elastisches Holzgerippe entsteht, das auch starke Schwingungen von Erdbeben dämpft. Die Wände sind nur eingestellt und haben keine tragende Funktion. Im Vergleich zu unseren Ziegeldächern besitzen die traditionellen chinesischen Ziegeldächer, je nach Größe, ein drei bis vier Mal höheres Eigengewicht und können so auch großen Stürmen standhalten. Zum Bauen wird das Holz der weißen Zeder verwendet, das die Zugspannung von Stahl hat und dessen Druckfestigkeit mehr als sechsmal so hoch ist wie von Beton.

Das also ist chinesische Tradition. Warum knüpft das China von heute nicht daran an – weder in der Asthetik noch in der Technik? Wie in Japan hat die europäisch-amerikanische Bauweise und Ästhetik auch in China die reiche Tradition verdrängt.

Schade. Aber vielleicht kommt ja bald eine Phase der Rückbesinnung. Es wird dann nicht darum gehen, Altes einfach zu imitieren; das Neue könnte an die Tradition anknüpfen, aus ihr heraus wachsen und mit ihr verbunden bleiben.

Konfuzius sprach: „Zu Lebzeiten des Vaters folge seinem Willen; nach dem Tode des Vaters orientiere dich an seinen Taten.“ (I.11.)

Konfuzius sprach: Etwas lernen und sich immer darin üben – schafft das nicht auch Befriedigung?

Das ist – wohl nicht zufällig – der erste Satz in Konfuzius‘ „Gesprächen“.

Ein Deutscher, 60 Jahre alt, des Chinesischen nicht mächtig, nie in China gewesen, bloggt über China. Das Motto ist: „etwas lernen und sich immer darin üben“.

In der Anmerkung zu dieser Stelle schreibt der Übersetzer (Ralf Moritz):

Mit „üben“ geben wir das chinesische Zeichen „xi“ wieder. Gemeint ist „üben in Anwendung des Gelernten“. Das schließt „wiederholen“ und „nachahmen“ ein. Es meint die Einheit der praktischen und geistigen Ebene.

Praktisches (schreiben) und Geistiges (lernen) befördern sich gegenseitig:

Bloggen ist Kommunikation mit den Lesern. Sie kommen auf das Blog, weil sie neugierig sind und etwas wissen wollen, sie können hier ihren Kommentar abgeben, indem sie auf den Titel klicken und sich das Kommentarfeld öffnen.

Indem ich nicht einfach im stillen Kämmerlein vor mich hin lese, sondern für eine Institution und für eine interessierte Öffentlichkeit schreibe, „übe“ ich: wende ich mein (vermeintes) Wissen an, setze ich es der kritischen Betrachtung anderer aus, bin ich gezwungen, den Blick der Leser zu berücksichtigen.

Worüber werde ich schreiben?

  • Über Politik und Kultur: Deutschland blickt auf China; zum Beispiel ich.
  • Über China und Chinesen in Deutschland, insbesondere in München.
  • Über die  Confucius Class Munich: die Arbeit, die Veranstaltungen, die Chinesisch lernenden Schüler …

Wer lernen will, tut gut daran, sich dem Objekt seines Lernens mit Respekt anzunähern. Nicht China soll von mir etwas lernen. Ich habe China keine Ratschläge zu erteilen. Ich werde China nicht mit deutschem Maßstab messen. (Deutsche würden auch nicht so gern am chinesischen Maß gemessen, nicht wahr?)

Lernen heißt auch: nachdenken. Nachdenken und Bloggen heißt dann: laut und öffentlich nachdenken – und darauf bauen, dass andere mir bzw. den zitierten Autoren nach-denken. Kritische, skeptische Fragen zu stellen gehört dazu – soweit dieses Fragen auf Gegenseitigkeit beruht.

Ich würde gern lernen, mich, Deutschland und die Welt mit chinesischen Augen sehen zu können – so weit es mir nützt.