Politik


Thomas Friedman gibt uns – eher unfreiwillig und ein wenig verzweifelt – einen Hinweis darauf, warum China die Zukunft gehört – und nicht den USA.

In seinem jüngsten Kommentar in der New York Times schreibt er:

China hat gerade eine gute Woche in Amerika. In Beijing feiert man vielleicht sogar. … Denn Amerika ist gerade dabei, die Zukunft der nächsten großen globalen Industrieinnovation – Energietechnologie – China zu überlassen.

Was die USA dringend bräuchten, wäre ein klares Preissignal an die Verbraucher in den USA: Benzin, Gas –  alle Energie auf Kohlenstoffbasis – wird in Zukunft allmählich teurer werden müssen. Also, stellt euch langsam um auf ökologisch günstigere Formen von Energie! Und diese sollte moderat subventioniert werden, um den allmählichen Übergang ein wenig zu erleichtern.

Die USA kriegen das politisch nicht hin. Es liegt, so Friedman, nicht am Präsidenten. Politisch kommt es nicht durch, weil die Republikaner dagegen sind und die Demokraten befürchten, dass schon die kleinste von der Regierung verursachte Energiepreiserhöhung tödlich für sie sein könnte in den anstehenden Wahlen.

Also geht nichts. Benzin und Energie generell bleiben in den USA unverantwortlich billig, einen Anreiz zu ökologisch nachhaltiger Energienutzung schafft man nicht.

Friedman verweist auf die Fähigkeit der USA zur Innovation im technologischen Sektor. Aber wohin wandern dann sowohl die Produktion als auch die Entwicklung neuer Technologien, etwa im Bereich der Sonnenenergie? Im Silicon Valley ertüftelt man das Neue, aber diese Firmen siedeln nun ihre künftigen Arbeitsstätten in China an: lieber dort, wo sie ihre Produkte auch verkaufen können. Etwa die Hälfte aller Sonnenkollektoren der Welt sind im letzten Jahr bereits in China produziert worden.

Elektroauto, Sonnenenergienutzung im größten Stil und ähnliche grüne Technologien werden vor allem aus China kommen und weltweit zum Verkaufsschlager werden.

Während man in den USA zwar prächtig an den Universitäten und in bestens finanzierten Forschungsstätten lernt, aber in der Politik — verblödet?

Advertisements

Die Flamen, bedroht vom "belgischen" Französisch, "muslimischen" Grün und "chinesischen" Rot

„Vlaams Belang“ ist die  rechtspopulistische, flämisch-nationalistische Partei Belgiens, 17 von 150 Parlamentsmandate stark. Sie wird – bis jetzt – von den anderen Parteien Belgiens geschnitten.

Diese Partei warnt auf diesen drei Plakaten zunächst vor dem lokalen wallonischen (französisch sprechenden) Erzfeind – man möchte Flandern von Wallonien abspalten; „pourquoi“ … heißt warum … (aber auch darum …)

Der Feind im Zentrum der Agitation sind die Muslime. Und rechts taucht, die Zukunft kühn vorwegnehmend, der neue „Bösewicht“ auf: China.

Angeregt durch einen Artikel im China Herald

BeimVolkskongress der KPChina in diesem März gab es Stimmen, die die vom Staat durchgesetzte Ein-Kind-Politik in Frage stellten.

Seit 30 Jahren nun wird diese drastische Bevölkerungspolitik praktiziert. Mit offensichtlichem Erfolg. Das Bevölkerungswachstum wurde gestoppt. Der Geburtenüberschuss ist von ca. 2,6% im Jahre 1970 auf inzwischen 0,5% gefallen. 1960 lag das Durchschnittsalter der Chinesen bei 22 Jahren, heute liegt es bei 34 – und es steigt. (Deutschland: 44 Jahre!)

Diese demographische Entwicklung war eine der Bedingungen für den Aufstieg Chinas seither.

Gleichzeitig verändert die Schrumpfung der Familie China auch kulturell. Alle Aufmerksamkeit konzentriert sich nun auf das EINE Kind, und dieses hat keine Geschwister, von denen und mit denen es lernen kann, wie man miteinander umgeht. Es ist eine Welt ohne Geschwister – damit auch ohne Onkel und Tante …

Ein weiteres damit zusammenhängendes Phänomen: Auf 100 Mädchen werden etwa 120 Jungs geboren – männlicher Nachwuchs wird oft bevorzugt. Ein Fünftel der Männer wird nicht heiraten können …

Politisch bedeutsam sind aber zunächst die zwei demographischen Probleme, die aus der chinesischen Bevölkerungspolitik folgen:

  • das Land altert rapide – der Anteil der jungen Menschen, die die älteren über Steuern oder direkt ernähren, nimmt ab;
  • die Bevölkerung wächst zurzeit noch ganz leicht an, wird aber bald zu schrumpfen beginnen – die Geburtenziffern gehen (bei 1,4 bis 1,6 Kindern pro Frau) zurück, ein sich selbst verstärkender Prozess, solange die Ein-Kind-Politik durchgesetzt wird …

Beides wird sich in den kommenden Jahren in dramatischer Weise bemerkbar machen. Zuerst in der Frage: Wie lange noch reicht das Reservoir der billigen Arbeitskräfte vom Lande? Füher einmal war es „schädlicher Bevölkerungsdruck“; heute wertet man es als „menschliche Ressourcen“.

Ökonomisches Interesse wird also vermutlich bald zu einer Lockerung der Ein-Kind-Politik führen. Erste Anfänge sind schon gemacht: Zwei Einzelkinder dürfen als Paar zwei Kinder bekommen.

Quellen: Danwei; Handelsblatt; Fischer Weltalmanach 2010

Ich gehe mal davon aus, dass die im vorigen Artikel genannten Zahlen die Wirklichkeit einfangen. (Ganz sicher bin ich mir da nicht. Siehe den bedenkenswerten Einwand eines Lesers im Kommentarteil.)

Was lässt sich zu diesen Zahlen sagen?

1. Ich selbst gehöre dann zu den 11%, die Chinas Einfluss auf die Welt für positiv halten. Meine Artikel über Politik versuchen dies zu begründen. (Siehe die Anmerkung nach dem Sprung!)

2. Es ist nicht logisch, China für seine erfolgreiche Entwicklung zu loben und gleichzeitig die Politik der chinesischen Regierung zu verurteilen.

3. Der Grund für das negative Image Chinas liegt wohl in der Kombination dieser Punkte:

  • die Parteinahme für die Unabhängigkeitsbestrebungen in Tibet und Xinjiang;
  • der krasse Mangel an Rechtsstaatlichkeit und Demokratie bei gleichzeitigem ökonomischem Erfolg;
  • die Angst davor, dass wir wirtschaftlich von China mehr und mehr übertroffen werden;
  • unsere Schwierigkeit, etwas Peinliches zu lernen: Jemand, den wir bisher für zweitklassig gehalten haben, erhebt nun plötzlich den Anspruch, er wolle für erstklassig genommen werden – wir sollen ihm also künftig bitte auf Augenhöhe begegnen;
  • die generelle Verunsicherung in einer Zeit der globalen Umwälzungen.

Ob alle diese Punkte zutreffen, und wenn ja, ob sie dann die Sache hinreichend erklären, und schließlich: wie sie untereinander gewichtet werden sollten – darüber bin ich mir nicht im klaren.

4. Wie dem auch sei, eine global erfolgreiche Großmacht wie China braucht nicht nur hard power (ökonomische und militärische Macht), sie braucht eine Menge soft power (Ansehen, Vertrauen, Sympathie), um in der internationalen Konkurrenz, bei globalen Konflikten optimal im eigenen Interesse agieren zu können. China hat da erheblichen Nachholbedarf.

5. Verständlicherweise lenken die Wachstumszwänge sowie die damit verbundenen die internen Schwierigkeiten die Aufmerksamkeit der Politik Chinas eher nach innen, und dies wird wohl noch für eine lange Zeit so bleiben.

6. In dem deutschen Negativurteil über China liegt etwas uns selbst Schädigendes. Wir setzen unser positives Image in China aufs Spiel. Hält das Unverständnis gegenüber China an, wird der Schaden für uns beträchtlich werden.

7. Was glauben eigentlich diejenigen, die China mit mahnendem Zeigefinger belehren wollen, dass sie damit erreichen – außer dass sie sich selber als die Guten fühlen können?

8. China selbst lobt sich: 92% der Chinesen halten den Einfluss ihres Landes für positiv, nur 6% für negativ. Da fehlt die gesunde Mitte derer, die selbstkritisch Positives und Negatives abwägt und sich des Urteils enthält oder für ein „teils, teils“ plädiert. Es kann zu einem Problem für China und die Welt werden, wenn das Land aus Mangel an Selbstkritik überheblich würde. Mir kommt die japanische Arroganz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit ihren schrecklichen Folgen in den Sinn, auch die Arroganz des Deutschen Reiches zu Zeiten des Kaiserreichs. (Anmerkung: Gerade bei dieser Angabe von 92:6 bin ich allerdings der Umfrage gegenüber skeptisch.)

(mehr …)

Eine BBC-Umfrage ermittelt das Ansehen einiger wichtiger Nationen bei anderen wichtigen Nationen in der Welt.  Bürger werden befragt, wie sie den Einfluss dieser Länder einschätzen.

China schneidet dabei in der letzten Umfrage (2008/2009) schlechter als vorher ab – vor allem in Europa. Das Verhältnis hat sich auch insgesamt ins Negative gedreht: nur 39% sehen China noch positiv, 40% negativ. Im Jahr davor lag das Verhältnis noch bei china-freundlichen 45:33.

Zum Vergleich – für die USA ist das Verhältnis mit 40:43 noch etwas schlechter. Deutschland hingegen führt in dieser Statistik mit stolzen 61:15. Es ist das einzige Land unter den 21 untersuchten, das von allen anderen eher positiv als negativ beurteilt wird. – Kein schlechtes Ergebnis für den outlaw des Jahres 1945 …

Hier Ergebnisse Jan 2009 (erste Zahl für den Prozentsatz, der China positiv sieht, zweite Zahl für negative Sicht):

  • USA 32:52
  • GB 39:42
  • Deutschland 11:69
  • Frankreich 22:70

Zum Vergleich das Ergebnis des Jahres 2005:

  • USA 35:53
  • GB 40:44
  • Deutschland 31:44
  • Frankreich 31:53

Bemerkenswert, wie China an Ansehen vor allem in Deutschland verloren hat. Es rangiert jetzt bei extrem unpopulären Nationen wie den USA (18:65) oder Israel (9:65). Worauf ist dieser Absturz zurückzuführen?

Andererseits ist Deutschland bei den Chinesen mit 65:22 gut angeschrieben – dazu noch deutlich verbessert gegenüber dem Vorjahr.

Die Chinesen selbst sehen sich bzw. ihren Einfluss auf die Welt fast nur positiv: erschreckende 92:6! Die Japaner sind da zum Beispiel mit 41:11 wesentlich bescheidener, wir Deutsche nicht unbedingt: satte 80% finden unseren Einfluss auf die Welt positiv, nur 4% nicht. Ich selbst gehöre zu den 16%, die „weder-noch“ sagen.

Soweit die interessantesten Zahlen. Morgen werde ich sie zu kommentieren versuchen.

>>> Hier auf meinem anderen Blog meine Darstellung zum Deutschland-Ergebnis dieser Umfrage.

Ein chinesischen Literaturprofessor bemerkt – und bewundert –  etwas Außergewöhnliches an uns Deutschen:

Mich hat Willy Brandts Kniefall in Warschau tief beeindruckt. Ich habe die Szene noch immer vor Augen, als wäre es gestern gewesen. Dabei gehörte Willy Brandt doch zu den Gegnern des Hitler-Regimes. … Die Verbrechen der Nazis hatten mit ihm nichts zu tun, und dennoch besaß er die Größe, die Schuld der Vergangenheit auf sich zu nehmen und sich vor den Polen und vor aller Welt zu entschuldigen. … Für mich hat er damit viel zum guten Ruf der Deutschen beigetragen.

Dass sich die Deutschen auch in ihren Filmen und Romanen mit der Vergangenheit auseinandersetzen und sich zu den Verbrechen bekennen, beeindruckt mich ebenfalls. Ich vergleiche sie dann immer mit den Japanern. …

Allerdings fällt es nicht nur den Japanern schwer, zu ihrer Schuld zu stehen. Die mangelnde Bereitschaft, Fehler einzugestehen, scheint eine Eigenschaft von uns Ostasiaten zu sein. Auch wir Chinesen bekennen uns nicht gern zu unserer Schuld. Wie viel Unrecht ist während der politischen Kampagnen in den vergangenen Jahrzehnten passiert. Und hat sich bisher jemand dafür entschuldigt? Nein. Für uns scheint das Zugeben von Fehlern immer mit einem Gesichtsverlust verbunden zu sein.

Um so mehr bewundern wir die Deutschen, die ihre Fehler und Vergehen aus dem Zweiten Weltkrieg zugeben. Und sie machen das ganz ehrlich. Es ist keine Show.

Die Einsicht ist kollektiv. Das hat es auch mir individuell leichter gemacht, mich unserer albtraumhaften Vergangenheit nicht zu schämen, sondern sie selbstbewusst zu reflektieren. Ein ganzes Volk hat etwas Großes gelernt, und man findet in der Geschichte wohl kaum eine Parallele.

Aber eine Ergänzung sei mir, dem politischen Realisten, erlaubt: Es war auch schlau. In unserem eigenen Interesse.

Unsere Bereitschaft, aus unserer Vergangenheit richtig zu lernen, hat uns überraschend schnell den Weg zurück nach Europa gebahnt – mit all den kulturellen und wirtschaftlichen Vorteilen, die das bedeutet. (Natürlich hat der Kalte Krieg da auch seine Rolle gespielt.) Vertrauen ist ein politisch und wirtschaftlich zentraler Faktor. Wie gewinnt man das Vertrauen der Nachbarn und der Welt zurück, wenn man es verloren hat? – Das kann man in der Tat etwas von uns lernen.

Das Zitat stammt aus „Die Langnasen. Was die Chinesen über uns Deutsche denken“ von Yu-Chien Kuan und Petra Häring-Kuan (Seite 126)

China ist der weltweit größten Emittenten von Kohlendioxyd. Ohne Chinas Mitwirkung ist das Ziel, die Erderwärmung bis 2050 auf zwei Grad zu beschränken, kaum erreichbar.

Aber China wehrt sich gegen Forderungen nach stärkeren nationalen Klimaschutzmaßnahmen.

Während deutsche und britische Spitzenpolitiker China für das Scheitern des Gipfels verantwortlich machen, sieht die Volksrepublik die Schuld bei den Industrienationen. Nach dem Prinzip der „gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortlichkeiten“ sollten diese aufgrund ihrer historischen Verantwortung für die Erderwärmung die Hauptlast beim Klimaschutz tragen. Entwicklungsländer wie China dürften durch eine verbindliche Festlegung von Klimazielen nicht in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung beeinträchtigt werden.

.

Der Breakfast Club des Chinaforums
lädt ein zu Information und Diskussion

am 26. April 2010,
8.00 Uhr
Kaufmanns-Casino München
Odeonsplatz 6
Eingang Galeriestraße

Dr. Roland Geres,
Geschäftsführender Gesellschafter der FutureCamp Holding GmbH,
beleuchtet die Position Chinas bei der Klimakonferenz in Kopenhagen

Anmeldung erforderlich

Nächste Seite »